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| 19:02 Uhr

Vergewaltigungsverdacht
Wohin gefährliche Gerüchte führen können

 Oliver Haustein-Teßmer
Oliver Haustein-Teßmer FOTO: LR / Sebastian Schubert
Cottbus. Ermittlungen wegen mutmaßlicher Vergewaltigung in Bagenz (Spree-Neiße): Die Gerüchte auf Facebook führen schließlich dazu, dass ein irregeleiteter Mob nach Selbstjustiz trachtet. An dieser Eskalation tragen die Sicherheitsbehörden eine Mitschuld. Von Oliver Haustein-Teßmer

Polizei und Staatsanwaltschaft Cottbus ermitteln wegen des Verdachts der Vergewaltigung einer Frau in Bagenz an der Talsperre Spremberg. Zu diesem Fall schaukelten sich Gerüchte in den sozialen Medien derart hoch, dass sich ein ausländerfeindlicher Mob vor der früheren Jugendherberge in Bagenz anschickte, Selbstjustiz zu üben.

Das zeigt, wozu unbewiesene Behauptungen über die Tat, über angeblich beteiligte Ausländer, sogar über eine tote Frau führen können. Vermummte junge Menschen greifen zu Zaunlatten und Knüppeln, marschieren spät abends auf, werfen Böller auf ein Gebäude der Ferienanlage Seenland.

Sie treffen die Falschen. Eine Schulklasse aus Frankfurt (Oder), deren Schüler, so ein Vater, in Angst versetzt worden sind. Die Klasse reist vorzeitig ab.

Vergewaltigungsverdacht in Bagenz: Die Rolle der Ermittler

Es ist gut, dass die Polizei nicht lange gefackelt und sieben mutmaßliche Beteiligte des Mobs gestellt hat.

Allerdings tragen Ermittler eine Mitschuld: Drei Tage vergingen, bis sich Staatsanwaltschaft und Polizei zum mutmaßlichen Vergewaltigungsfall äußerten. Zu spät: Denn es hat nicht viel gefehlt, und es hätte mehrere Opfer gegeben.