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Post aus Dresden
Auf eine Esterhazy-Schnitte

Christine Keilholz
Christine Keilholz FOTO: Sebastian Schubert / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Sachsen ist nicht Katalonien. Der Sachse zwar pocht oft und gern darauf, sein eigenes Ding zu machen. Eine leichte „Mir san Mir“-Tendenz schwingt immer mit, wenn irgendwo zwischen Schkeuditz und Zittau ein Landtagsabgeordneter, Landrat oder Bürgermeister eine Rede schwingt: Sachsen ist toll, und es könnte heute noch toller sein, wenn nicht im 20. Jahrhundert ein paar Dinge gehörig schiefgelaufen wären. Von Christine Keilholz

Eine Mischung aus Stolz, Trotz und Wehleidigkeit gehört zur Essenz des sächsischen Seins.Aber abspalten wollten sich die Stolzen und Trotzigen dennoch nie. Dabei hätte so eine Abspaltung Vorteile. Man könnte dann nämlich selber Außenpolitik machen. Sachsen sieht sich nämlich auch gern als kleine, aber feine Mittelmacht in Mitteleuropa, die auch große Geschichte schrieb. Wie damals, als August der Starke in Polen eine Krone kaufte. Oder als Martin Luther in sächsischen Landen untertauchte. Oder als ein Sachsenkönig, den die Welt schnell vergaß, dummerweise auf Seiten Napoleons die Völkerschlacht bei Leipzig verlor – im eigenen Stadion.Derlei berechtigt zum schwungvollen Auftritt auf großem Parkett. Und wenn das einer gern tut, dann Landtagspräsident Matthias Rößler. Der 62-jährige CDU-Mann ist zudem Kuratoriumschef beim „Forum Mitteleuropa“. Dieses Forum organisiert seit 2011 Treffen mit Polen, Tschechien, Ungarn, Österreich und der Slowakei. Abgeordnete reisen dann auf den Spuren der alten Habsburger. Erkunden Bratislava, verkosten Messwein in Klosterneuburg bei Wien und Esterhazy-Cremeschnitten bei den Magyaren.

Außenpolitisch brachte das bis jetzt nicht wahnsinnig viel – schadet aber auch nicht. Für sein Engagement hat Rößler jüngst sogar eine Auszeichnung bekommen. Das „Offizierskreuz des Verdienst-
ordens von Ungarn“ brachte der ungarische Botschafter in Deutschland eigens in Dresden vorbei. Rößler habe nämlich beispielgebend zur „Förderung der ungarisch-deutschen und der ungarisch-sächsischen Beziehungen und zur Stärkung des guten Rufs von Ungarn” beigetragen.

Der Ausgezeichnete erklärt dankbar, er strebe „eine Partnerschaft auf Augenhöhe mit unseren mittel- und osteuropäischen Nachbarn“ an. Wäre Sachsen Katalonien, müsste Berlin solche Töne als Provokation empfinden. Doch zum Glück ist Berlin gerade in Jamaika.