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Arrogante Höhen

Die Organisatoren können zufrieden sein. Zehntausende haben am Dienstag gegen die Reform des Arbeitsrechts protestiert. Züge standen still, Flüge wurden abgesagt. Alles wie immer also in Frankreich? Nicht wirklich, denn die Gewerkschaften sind gespalten. Geschickt hat Präsident Emmanuel Macron die Front der ewig Streikenden aufgebrochen. Christine Longin

Erstmals zog die kommunistische CGT allein durch die Straßen. Vorbei ist die Zeit der Massenproteste, die das ganze Land lahm legten und Reformen blockierten. So, wie 1995, als Premierminister Alain Juppé seine Rentenreform nach wochenlangem Generalstreik begraben musste. Macron wird dem Druck der Straße nicht nachgeben. Das machte er bereits deutlich. "Faulenzer, Zyniker und Extreme" sollen ihn nicht von seinem Weg abbringen, sagte er. Und in diesen deutlichen Worten liegt für den Staatschef auch die größte Gefahr: nämlich die, sich von seinem Volk abzukoppeln. Den Bodenkontakt zu verlieren und in die Höhen der Arroganz zu entschwinden. Nicht jeder Arbeitslose ist ein Faulenzer und nicht jeder, der den Präsidenten kritisiert, ein Zyniker. Mit verletzenden Äußerungen wie diesen bringt Macron die Menschen gegen sich auf - unabhängig von jeder Gewerkschaft. Dabei hat der 39-Jährige mit seiner satten Parlamentsmehrheit im Rücken gute Chancen, Frankreich zu reformieren. Doch ein Staatschef muss auch seine Landsleute mitnehmen. Nur wenn er sie von seinen Reformen überzeugt, kann seine Präsidentschaft gelingen. Hier bleibt für Macron noch viel zu tun.