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Leitartikel Weniger Erwerbslose
Arbeit für Jamaika

Stefan Vetter
Stefan Vetter FOTO: k r o h n f o t o . d e
Auch wenn es bei den Unterhändlern einer künftigen Jamaika-Koalition immer wieder Dissonanzen gibt, so ist doch zumindest die „Begleitmusik“ vom Arbeitsmarkt voller Harmonie: Noch nie seit der Wiedervereinigung waren so wenige Menschen ohne Job wie jetzt. Und noch nie gab es so viele Beschäftigte. Ein Grund, dieses Thema politisch zu den Akten zu legen, ist das aber noch längst nicht.Denn auch der größte Beschäftigungsboom kann nicht über den eher stagnierenden Anteil der Langzeitarbeitslosen hinwegtäuschen. Zumeist handelt es sich um ältere und wenig qualifizierte Personen. Um auch sie wieder in Lohn und Brot zu bringen, sind nicht nur die Jobcenter stärker gefordert. Von Stefan Vetter

Viele Arbeitsmarktforscher halten hier schon länger die Schaffung eines „zweiten Arbeitsmarktes“ für erforderlich. In der Vergangenheit mangelte es dafür am notwendigen Geld, aber vor allem am politischen Willen. Vor diesem Hintergrund könnte eine mögliche Jamaika-Regierung tatsächlich neue Wege gehen. Wenn die Union ihr erklärtes Ziel einhalten will, die Arbeitslosigkeit bis zum Jahr 2025 zu halbieren, wird sie an einer Beschäftigungsoffensive für Langzeitarbeitslose kaum vorbeikommen. Immerhin ist jeder dritte Erwerbslose in Deutschland bereits länger als ein Jahr ohne Job.

Und noch etwas droht die gute Arbeitsmarktbilanz längerfristig zu verdüstern: Mit der wachsenden Anzahl bearbeiteter Asyl-Anträge kommen auch immer mehr Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt. Dass auch diese Menschen wegen ihrer zumeist geringen Qualifikation nicht den roten Teppich in den Betrieben ausgerollt bekommen, liegt auf der Hand. Auch darum muss sich eine künftige Regierung also verstärkt kümmern. Alles andere wäre verschenktes Potenzial.