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| 19:06 Uhr

Kommentar Urteil zur Chemnitzer Messertat
Angst und Mut

 André Bochow
André Bochow FOTO: MOZ
Nun gibt es also ein Urteil. Vor einem Jahr wurde in Chemnitz ein 35-jähriger Deutscher durch Messerstiche tödlich verletzt. Das Schwurgericht des Landgerichts Chemnitz hat den Syrer Alaa. S. der Tat für schuldig befunden und verurteilt. Von Andrè Bochow

Der Angeklagte und seine Anwälte beharren auf der Unschuld des Verurteilten. Juristisch ist der Fall nicht abgeschlossen. Der Verurteilte wird das Urteil wohl überprüfen lassen. Das ist sein Recht, auch wenn das nicht alle so sehen.

Denjenigen, die den Tod eines Menschen für nationalistische und rassistische Hetze missbrauchen, wird das Urteil zu milde sein. Aber um das Recht geht es ihnen ohnehin nicht. Wer denkt, dass das eigene Volk in irgendeiner Weise mehr wert ist als andere Völker, dem ist auch die Gleichheit vor dem Gesetz egal.

Aber die Nationalisten und Verächter des Rechtsstaates sind nach wie vor in der Minderheit. Auch in Chemnitz. In der aufgewühlten Stadt hat die Zivilgesellschaft immer wieder gezeigt, dass sie sich nicht das Leben von rechten Hooligans und Nazis zerstören lassen will. Diese Bürger wollen, dass man auch außerhalb ihrer Stadt versteht: Chemnitz ist keine Nazi-Hochburg. Während anderswo spitzfindig der Begriff „Hetzjagd“ diskutiert wurde, demonstrierten Zehntausende gegen Rassismus. Dass das Bekenntnis zu Demokratie und Humanität in Deutschland tatsächlich Mut erfordert, ist besorgniserregend. Dass es immer wieder erneuert wird, ist dagegen großartig. Und für jene, die das mit dem Mut nicht glauben wollen: Im September beginnt ein Prozess gegen eine rechtsextremistische Terrorgruppe. Ihr Name: „Revolution Chemnitz“.

⇥politik@lr-online.de