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| 19:05 Uhr

Leitartikel
Der ungeliebte Patient

Martin Hofmann
Martin Hofmann FOTO: nicht bekannt
Der Vorschlag des Kassenärzte-Chefs Andreas Gassen  taugt weder als erstes noch als letztes Mittel. Die Idee einer Ambulanz-Gebühr ähnelt dem Motto: Eine Grube, in die wir schon hineingefallen sind, buddeln wir jetzt anderen. Martin Hofmann

Zu bürokratisch, für das Arzt-Patient-Vertrauen zerstörerisch, ohne jede Lenkungswirkung: Mit diesen Argumenten haben die Kassenärzte seinerzeit die Praxis-Gebühr erfolgreich bekämpft. Dies war absolut richtig. Dass Gebühren jetzt den überlaufenen Notfallambulanzen helfen sollen, ist ein echter Treppenwitz einer ohnehin an verkorksten Aktionen reichen Gesundheitspolitik.

Nein, solch ein Eintrittsgeld schreckt diejenigen nicht ab, die es sich leisten können. Andere gehen deswegen nicht zum Arzt, verschleppen ihre Krankheit und kosten das Solidarsystem letztlich viel mehr. Das haben Untersuchungen in vergangenen Jahrzehnten zweifelsfrei gezeigt.

Natürlich sind Klinik-Ambulanzen überlastet. Mindestens ein Drittel der Menschen, die dort ankommen, sind nicht so krank, dass ihre Not einen sofortigen Eingriff erfordert. Es bedarf daher Wegen, die Patientenströme zu steuern. Bewährt haben sich etwa den Kliniken vorgeschaltete Praxen. Dort können Ärzte oder gut ausgebildete Pflegekräfte den Menschen erklären, dass in eine Ambulanz nur weitergeschickt wird, wer diese auch unbedingt benötigt.

Gewiss kostet diese Art der Versorgung zusätzlich Geld. Doch sie spart auch erhebliche Kosten. Es wäre ein Armutszeugnis, wenn sich Kliniken und Praxisärzte nicht endlich auf ein System verständigen, das keinen von ihnen unter- oder übervorteilt. Das Interesse, dem mutmaßlich kranken Menschen zu helfen, ist doch wohl die erste Pflicht der im Gesundheitswesen Tätigen.