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Alles auf Anfang

FOTO: k r o h n f o t o . d e
Kommentar. Im Schmerz über den rasanten Sinkflug ihrer Partei blieb den Sozialdemokraten um Martin Schulz zuletzt ein kleiner Trost: Wenigstens der Abstand zur Union schien sich bei den demoskopischen Erhebungen auf ein niedrigeres Niveau eingependelt zu haben als in den Zeiten von SPD-Chef Sigmar Gabriel. Doch damit ist es nun offenbar auch vorbei. Stefan Vetter

Gleich zwei Umfrage-Institute, Emnid und Infratest dimap, bescheinigten jetzt in kurzer Folge der Union einen Vorsprung von satten zwölf Prozentpunkten gegenüber den Genossen. Ähnlich deprimierend hatte es für die Sozialdemokraten auch in der Spätphase ihres vormaligen Vorsitzenden aus Goslar ausgesehen. Damit steht die Partei gewissermaßen wieder ganz am Anfang, was die Frage aufwirft, ob sich der Wind noch einmal drehen kann.

Zumindest die Schulz-Begeisterung in der SPD ist noch nicht verflogen. Die Rede ihres Kanzlerkandidaten am Sonntag auf dem bayerischen Landesparteitag wurde von den Anwesenden geradezu euphorisch beklatscht. Viele Bürger wollen allerdings endlich wissen, woran sie mit Martin Schulz genau sind. Hier gibt der Kandidat immer noch Rätsel auf. Auf brisanten Feldern wie der Zukunft der Rente oder eben den fiskalischen Entlastungen gibt es noch große Leerstellen.

Aus eigener Kraft wird der SPD eine erfolgreiche Aufholjagd ohnehin kaum gelingen. Vielmehr müssen Schulz und die Seinen auf Fehler im Unionslager hoffen. Immerhin steht das Wahlprogramm von CDU und CSU noch komplett aus. Zwar schweigen die Waffen in München schon verdächtig lange. Aber die Störfeuer in Richtung Angela Merkel können wieder aufflammen, wenn es konkret wird. Beim Umgang mit dem Doppelpass zum Beispiel, oder beim Umfang der geplanten Steuerentlastungen.

Schulz und die SPD können also noch hoffen. Und die Hoffnung stirbt bekanntlich erst zum Schluss. politik@lr-online.de