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| 21:13 Uhr

Kommentar zum empfohlenen Kohleausstieg
Dieser Kohle-Kompromiss tut den Lausitzern weh

 Oliver Haustein-Teßmer
Oliver Haustein-Teßmer FOTO: LR / Sebastian Schubert
Cottbus. Ob Tagebau-Randbewohnerin, Mitarbeiter im Bergbau-Konzern Leag oder auch Umweltschützer: Für viele Lausitzer ist der Kompromiss zum Kohleausstieg schmerzhaft. Aber wenn die Bundespolitik jetzt ans große Ganze denkt, kann der Strukturwandel gelingen. Von Oliver Haustein-Teßmer

Der Abschlussbericht der Kohle-Kommission bedeutet für die Lausitz einen schmerzhaften Kompromiss. So schmerzhaft, dass Hannelore Wodtke aus Welzow der Empfehlung an die Bundesregierung nicht zustimmte. Denn es steht nicht drin, dass das Dorf Proschim (Spree-Neiße) am Tagebaurand vom Bagger verschont bleibt.

Schwierig wird es für den Energiekonzern Leag. Der soll weniger Zeit bekommen, also weniger Geld mit der Verstromung von Braunkohle verdienen. Das muss Leag-Chef Helmar Rendez den Eigentümern in Tschechien vermitteln. Fraglich, ob sich die Geldgeber so für Investitionen in alternative Geschäftsfelder begeistern lassen.

Das Ausstiegsdatum heißt 2038. 19 Jahre Zeit, um in der Lausitz etwas zu bewegen. Mit immerhin 18 Milliarden aus einem Topf des Bundes von insgesamt 40 Milliarden Euro. Doch Arbeitsplätze als Ersatz für gut bezahlte Kohle-Jobs kann man damit nicht erkaufen.

Bessere Rahmenbedingungen: Die Lausitz muss lebenswert bleiben

Sinnvoll ausgeben lässt sich der Betrag nur für bessere Rahmenbedingungen. Dazu zählen neben neuen Straßen und Bahnverbindungen, neben schnellem Internet für alle und Geld für die Wissenschaft auch Ausgaben für Sport, Kultur und für Ehrenamtliche!

Denn wer will schon in einer Gegend wohnen, in der es bloß Wölfe und als Attraktionen eine Batteriefabrik für E-Autos sowie zu Seen für Berliner und Dresdner Tagestouristen aufgewertete Restlöcher gibt? Es muss noch 2019 sichtbare Fortschritte geben.

Das hält die Gesellschaft zusammen und arbeitsuchenden Nachwuchs in der Region. Hoffentlich denken die Politikerinnen und Politiker auf Bundesebene daran. Es wäre gut, wenn das auch jene Umwelt-Radikalinskis respektieren, die schon wieder mit Aufruhr drohen.

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