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| 18:39 Uhr

Post aus Dresden
Keine Stimmefür Mutter mit Kind

Christine Keilholz
Christine Keilholz FOTO: LR / Redaktion
Auch in Thüringen ereignete sich in dieser Woche Unglaubliches. Thüringen, das ist dieses Bundesland im Westen des Ostens, aus dem man selten etwas hört. Das ist da, wo die tolle Bratwurst herkommt und wo die Dorflinden in den Himmel ragen und das Fachwerk traditionsgerecht gestrichen wird.

Thüringen hat ein paar sehr gute Fleischer und ein paar sehr gute Hochschulen. Ansonsten gibt es von dort wenig zu berichten.

In Thüringens Hauptstadt Erfurt kam es neulich zum Eklat im Landtag. Die Grünen-Abgeordnete Madeleine Henfling hatte sich erlaubt, ihr Baby mit zur Arbeit zu bringen. Und musste prompt wieder gehen. Landtagspräsident Christian Carius (CDU) wies die Abgeordnete darauf hin, dass Kinder im Plenum nicht erlaubt seien. So stehe es geschrieben in der Geschäftsordnung.

Zuvor hatte er zwar noch der Kollegin Henfling zum Nachwuchs gratuliert, dann warf er sie raus. Mit der freundlichen Empfehlung übrigens, es sei aus Kinderschutz­erwägungen jedem Abgeordneten zu empfehlen, sich um eine Betreuung für sein Kind zu kümmern. Eine Betreuung, die es übrigens beim Erfurter Landtag nicht gibt.

Weil das nicht alle im Hohen Haus so sahen, musste die Sitzung für eine halbe Stunde unterbrochen und der Ältestenrat zusammengerufen werden. Der entschied dann: Das Baby darf nicht bleiben. Die 35-jährige Grünen-Politikerin aus Ilmenau wurde mitsamt dem Kind, das sie auf dem Herzen trug, des Saals verwiesen.

Nun sieht sich die Mutter in der Ausübung ihres Mandats behindert, denn sie sei ja verpflichtet, an den Landtagssitzungen teilzunehmen. Ob sie nicht wenigstens bei Abstimmungen den sechs Monate alten Kleinen mit reinbringen dürfe? Nein. Frau Henfling darf nicht abstimmen. Stattdessen soll bei Abstimmungen auch eine CDU-Abgeordnete auf ihre Stimmabgabe verzichten, damit wäre die Sache wieder ausgeglichen. Soll keiner sagen, das Thüringer Landesparlament wäre nicht kreativ beim Suchen nach Lösungen.