ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:43 Uhr

Meine Wirtschaftswoche
Ein Danke an die Heinzelmännchen

Hannelore Grogorick
Hannelore Grogorick FOTO: LR / Angelika Brinkop
Mitten auf dem Gehweg lässt ein etwa zehn Jahre alter Bengel die Papierverpackung seines Eises fallen. Auf die Aufforderung, er solle den Abfall doch bitte in den zwei Meter entfernt stehenden Papierkorb werfen, erklärt der Junge allen Ernstes: „Dann haben doch aber die Müllaufsammler keine Arbeit mehr.“ Von Hannelore Grogorick

Dummheit? Faulheit? Arroganz?

Eigentlich werden ja schon im Hotel Mama die meisten Kinder dazu angehalten, Ordnung zu halten. Wenn’s nichts wird: Egal, Mama räumt nach. Auch wenn der Erwachsene später ein Ordnungs- und Sauberkeitsfanatiker geworden ist: Zumindest am Arbeitsplatz gibt es wieder jemanden, der mit Nachräumen beschäftigt ist.

In Deutschland gibt es fast eine Million berufliche Reinigungskräfte. Für sie ist der 8. November als ihr Ehrentag bestimmt worden.Er soll auf die Arbeit von Putzfrauen beziehungsweise des Reinigungspersonals weltweit hinweisen und den durch die geleistete Arbeit entstehenden Mehrwert hervorheben. An diesem internationalen Tag der Putzfrau soll auch auf die Situation von Putzfrauen aufmerksam gemacht werden, indem vor allem bessere Arbeitsbedingungen und ein besseres Ansehen gefordert werden.

Und das ist gut so. Denn diese arbeiten wie die märchenhaften Heinzelmännchen zumeist im Verborgenen, also vor oder nach den Dienstzeiten in Büros. Wer nimmt Kenntnis von den Frauen und Männern, die mit Müllkneifzangen durch Parks und Anlagen ziehen, den Fahrern von Kehrmaschinen, den Klofrauen an den Autobahntankstellen. Die Berufsgruppe ist von Frauen dominiert und die Tätigkeit wird häufig als Schwarzarbeit absolviert.

In manchen Dörfern ist es ja noch Brauch, Müllfahrern zu Weihnachten eine kleine süße Anerkennung zuzustecken. Die Städter nehmen es in all der Anonymität als selbstverständlich, dass Wege sauber und Papierkörbe geleert sind. Doch welche Autorität könnte wohl ein Chef verbreiten, der in einem schmutzigen Büro „regiert“.

Es muss nicht nur der Ehrentag sein, an dem sich die Nutznießer der Putzkolonnen dankbar zeigen. Ein freundlicher Gruß, ein Lächeln, ein liebes Wort können wir wohl an jedem Tag für sie aufbringen. Und das sichert mehr Glücksgefühle – und letztlich Arbeitsmotivation – als ein Berg Schokolade an einem (Ehren-)Tag.

Laut www.kleiner-kalender.de wurde dieser internationale Tag der Putzfrau 2004 von der Krimiautorin Gesine Schulz ins Leben gerufen und wird auch Weltputzfrauentag genannt. In den Karo-Krimis der Autorin ist Privatdetektivin Karo Rutkowsky als Putzfrau tätig. Auf ihren Geburtstag wurde der Ehrentag datiert.