(fc) Die Reaktionen von Landtagsabgeordneten zum 365-Euro-Ticket fallen unterschiedlich aus.

Kerstin Kircheis (SPD) setzt auf die schnellen Verbesserungen: „Das neue Azubi-Ticket für ganz Berlin und Brandenburg kommt zum 1. August. Es gilt im VBB-Verkehrsverbund für die beiden Bundesländer und kostet pauschal 365 Euro jährlich.“ Von dem Ticket würden rund 25 000 junge Menschen, die gerade eine Lehre oder ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren, profitieren. In der Vergangenheit habe dieses Ticket rund 1400 Euro gekostet. Das Land Brandenburg stelle im Doppelhaushalt 2019/20 dafür 5,6 Millionen Euro zur Verfügung. Einen Monat später zum 1. September werde zudem das neue Firmenticket eingeführt: Wenn Arbeitgeber einen Fahrtkostenzuschuss für ihre Beschäftigten übernehmen, bekommen diese demnach einen Rabatt auf die VBB-Monatskarte gewährt.

Rainer Genilke (CDU): „Die Diskussion über die Begrenzung des Nahverkehrs auf einen Euro am Tag wird sich für den ländlichen Raum als Falle erweisen. Schon heute ist der ÖPNV der Landkreise völlig unterfinanziert. CDU und Grüne hatten ein 365-Euro-Ticket für alle Schüler und Studenten gefordert, das ist gescheitert. Zuerst müssen ein ausreichendes Fahrangebot und damit neue Kapazitäten bestellt und finanziell dargestellt werden. In den letzten zehn Jahren erhöhte das Land die ÖPNV-Zu­weisungen für die Landkreise  gerade mal um 2,4 Prozent. Die Inflation stieg in diesem Zeitraum aber um 13,5 Prozent. Sollte das 365-Euro-Ticket nur in Berlin eingeführt werden, dann wird der Brandenburger Pendler die Parkplatzkapazitäten in Berlin sprengen.“  Wenn das Ticket für das gesamte Verbundgebiet eingeführt werden soll, dann werden die berlinfernen Regionen, bei denen das Angebot schon heute große Unzufriedenheit auslöst, die leidtragenden sein, meint Genilke Sie bezahlen dann für das gute Angebot mit U-Bahn, S-Bahn, Bussen, Straßenbahn, Regionalzüge in Berlin auf Kosten der ländlichen Räume, in denen solch gute Angebote nicht im Ansatz vorhanden sind.

Benjamin Raschke (Grüne/Bündnis 90): „Wenn 365-Euro-Ticket, dann nur für Berlin und Brandenburg gemeinsam. Bevor wir aber alles billiger machen, ist das Angebot zu verbessern. Zuerst sollten alle Schüler, Azubis und Studenten kostenfrei fahren dürfen.“

Anita Tack (Die Linke) erklärt, es brauche Anreize, damit mehr Menschen ihr Auto stehen lassen. Dazu bedürfe es auch einer stärkeren Infrastruktur. Unterschiedliche Finanzierungsmodelle seien zu prüfen. „Die Linke setzt sich für den fahrscheinlosen ÖPNV ein“, sagte Tack. „Klar ist, es muss eine Verkehrswende geben, damit der Verkehr seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann. Und das kostet Geld.“