Für Preiserhöhungen gibt es niemals einen perfekten Zeitpunkt. Die Diskussion über steigende Preise im öffentlichen Nahverkehr in Brandenburg könnte aber keinen ungünstigeren Zeitpunkt treffen. In Berlin wird über ein 365-Euro-Jahresticket geredet. Senftenberg will als einzige Kommune des Landes das Busfahren kostenlos anbieten. Weltweit wird mit Blick aufs Klima eine Verkehrswende gefordert. Und in Brandenburg? Da wird einfach mal der Preis erhöht und damit die Nutzung von Bus und Bahn nicht wirklich attraktiver. Wie gestrig ist das denn?

Statt einer Preiserhöhung gibt es in Sachen ÖPNV genug Baustellen. Was kann gegen überfüllte Züge getan werden? Warum ist die Busanbindung in vielen ländlichen Regionen nicht alltagstauglich? Warum gibt es in Regionalexpresswagen eine Gepäckablage, die diesen Namen nicht verdient? Warum sind viele Bahnhöfe zu finsteren Löchern verkommen beziehungsweise gar Ruinen? Wieso gibt es keine praktikable Lösung, um der wachsenden Zahl von Radtouristen in der Region eine komfortable Anreise mit dem Zug zu ermöglichen? Und warum führt so manche Dienst­reise wegen der Unpünktlichkeit der Züge zu Terminchaos?

Um Bus und Bahn zu einem wichtigen Faktor im Kampf gegen die Klimaprobleme zu machen, muss der ÖPNV eine echte Alternative zum Individualverkehr auf der Straße werden. Eine Preiserhöhung ist da mehr als kontraproduktiv.
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