Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel den Pflegenden für ihre Arbeit ausdrücklich dankt, ist das eine verdiente Würdigung ihrer Leistung. Doch warme Worte allein reichen dem Arbeitgeberverband Pflege nicht aus. Er will, dass die Mitarbeiter mehr Geld in der Tasche haben. Dafür hat er sich einen Weg ausgesucht, der die Arbeitgeber direkt nichts kostet, sondern nur die Allgemeinheit: Die Überstunden sollen steuer- und abgabenfrei werden. Also brutto für netto.

Das klingt erst einmal gut. Näher betrachtet macht es allerdings wenig Sinn. Zum einen sollten Überstunden die Ausnahme sein. Eigentlich sollte die Branche mehr Mitarbeiter einstellen. Ein gutes Stück weit würde sie das auch gerne tun, wenn sie zu finden wären.

Zum anderen stellt sich die Frage: Warum sollen nur Pflegekräfte in den Genuss der Steuerfreiheit kommen und nicht auch Polizisten und Feuerwehrleute? Arbeitnehmer in wichtige und unwichtige einzuteilen und damit in Begünstigte und nicht Begünstigte, ist eine gefährliche Sache, schon weil der Gleichheitsgrundsatz unserer Verfassung verletzt würde. Gleiches Recht und damit auch Abzüge für alle.

Zweifellos muss der Pflegeberuf attraktiver werden, um die nötigen Mitarbeiter zu bekommen. Dafür sind aber Steuerprivilegien der falsche Weg. Nur weil der französische Präsident Emmanuel Macron Überstunden generell steuerfrei machen will, ist das nicht der richtige und faire Weg. Es geht nur mit einer besseren Bezahlung, die von der Pflegeversicherung und von den Pflegebedürftigen aufgebracht wird.

Nicht zu vergessen mehr Anerkennung ihrer Arbeit, die mindestens so wichtig ist wie die von gut bezahlten Autobauern oder Beamten.

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