Die Idee klingt gut, doch der Preis ist hoch. Mit seinem Kompromissvorschlag könnte Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) das umstrittene Betreuungsgeld - und zugleich die Koalition gerettet haben. Denn schleichend, aber stetig hat sich dieses Thema im Schatten der Euro-Krise zu einem der großen Probleme von Schwarz-Gelb entwickelt.

Obendrein würde die Union damit vor der nächsten Wahl im Bund 2013 einige Stimmen bei Eltern sammeln. Aber langfristig müsste der Bund eben Milliarden Euro aufbringen - für eine Anhebung der Renten von Vätern und Müttern um rund 50 Euro im Monat, deren Kinder vor 1992 geboren wurden.

Diesen Vorschlag hatten Ende November CDU-Frauen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion eingebracht - und waren postwendend von männlichen Haushaltsexperten mit dem Argument kritisiert worden, dass sich die Kosten dafür im ersten Jahr vermutlich auf 200 Millionen Euro und im Jahr 2030 auf sieben Milliarden Euro belaufen würden.

Nur zwei Wochen zuvor hatte der CDU-Parteitag in Leipzig aber einen Antrag an die Fraktion mit dem Ziel überwiesen, "über die Beschlüsse des Koalitionsausschusses vom 6. November 2011 hinaus, die Anerkennung von Erziehungsleistungen in der Rente (. . .) weiter zu verbessern".

Da ist er wieder, der Parteitagsbeschluss, der nicht nur die Renten-Frage berührt, sondern mit seiner Formulierung zugleich den Beschluss der Koalitionsspitzen zum Betreuungsgeld bestätigt. Und an den die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel gern erinnert.

Es geht um diesen Satz aus der Vereinbarung des Koalitionsausschusses im November: "Die Koalition wird deshalb ab dem Jahr 2013 als zusätzliche Anerkennungs- und Unterstützungsleistung ein Betreuungsgeld in Höhe von zunächst 100 Euro für das 2. und ab dem Jahr 2014 in Höhe von 150 Euro für das 2. und 3. Lebensjahr des Kindes einführen." Schon im Koalitionsvertrag hatten CDU, CSU und FDP Ja zum Betreuungsgeld gesagt.

Die Regierung veranschlagt dafür 1,2 Milliarden Euro pro Jahr. Die Leistung soll als Barauszahlung verstanden werden. Viele Politiker - auch der CDU - lehnen das ab, weil sie befürchten, dass sozialschwache Eltern ihre Kinder nicht mehr in die Kita schicken, um das Geld zu bekommen - sie aber nicht entsprechend gut betreuen.

Beschlossen ist beschlossen und wird nicht mehr gebrochen, sagt die CSU, deren Chef Horst Seehofer im nächsten Jahr die Landtagswahl in Bayern gewinnen möchte und inzwischen recht unverblümt mit Koalitionsbruch droht, falls das Betreuungsgeld noch gekippt wird.

Die zusätzliche Anerkennung bei der Renten finden die Christsozialen gut. Die FDP hingegen nicht. Sie will zwar irgendwie das Betreuungsgeld mitmachen, aber keine zusätzlichen Ausgaben akzeptieren. "Das ist ja nicht vereinbart - on top (oben drauf)", sagt Fraktionschef Rainer Brüderle zu Kauders Kompromissvorschlag.

So sitzt der Unionsfraktionschef zwischen mehreren Fronten - auch in seinen eigenen Reihen. Mehr als 20 Abgeordnete haben ihm geschrieben, dass sie das Betreuungsgeld so nicht unterstützen wollen. Bleibt es dabei, sähe es bei einer Abstimmung im Bundestag schlecht aus.

Dabei hatten viele in der Koalition gedacht, eine größere Gefahr als die Euro-Krise könne es für das Bündnis kaum geben. Und hier hätten Union und FDP in den entscheidenden Abstimmungen im Parlament zusammengehalten, wird betont.

Ein Regierungssprecher sagte zur neuen Debatte über das Betreuungsgeld: "Da ist gar nichts entschieden, da ist gar nichts beschlossen. Darüber wird gesprochen." Fortsetzung folgt.