Pizzen und Brötchen werden mit Käse-Imitat überbacken, in den Kühlregalen der Supermärkte versteckt sich käseähnlicher "Pizza-Mix" neben echtem Edamer und Gouda. Dieses Analogkäse genannte Produkt hat aber nicht viel mit Käse gemeinsam: Statt Milch enthält es Pflanzenfett, Wasser und Eiweißpulver. Diese Mischung soll nicht gesundheitsschädlich sein, ist in der Herstellung aber viel billiger. Verbraucherschützer fordern daher, dass Imitatkäse gekennzeichnet wird und Verbraucher nicht länger betrogen werden.Neben Käse und Schinken werden mittlerweile immer mehr Produkte künstlich im Labor hergestellt. Die Verbraucherzentrale Hamburg berichtet beispielsweise von Vanilleeis ohne echte Vanille, von Meeresfrüchte-Cocktails mit Krebsfleischimitat und Schoko-Keksen, die gar keine wirkliche Schokofüllung haben."Wenn etwas als Käse ausgegeben wird, das eigentlich ein Käse-Imitat ist, dann ist das Betrug", sagt der Sprecher der Verbraucherorganisation Foodwatch, Martin Rücker. Angesichts aktueller Berichte, wonach bei Lebensmittelkontrollen neben falschem Käse auch zahlreiche Schinken-Imitate gefunden wurden, erklärte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) bereits: "Da, wo Schinken oder Käse draufsteht, muss auch Schinken oder Käse drin sein." Nach Angaben ihres Ministeriums liegt die jährliche Produktion von Analogkäse inzwischen immerhin bei 100 000 Tonnen.Die Produktion selber ist erlaubt. Doch nach geltendem nationalen und europäischen Recht dürfen keine Erzeugnisse als "Käse" bezeichnet werden, die nicht ausschließlich aus Milch hergestellt wurden. Gibt ein Händler also ein Brötchen als Käsebrötchen aus, obwohl es Imitat enthält, verstößt er Rückert zufolge gegen diese Verordnungen.Käseimitate sind aber auch dann problematisch, wenn sie die Verbraucher täuschen. "Wird etwas als Käse ausgegeben, das gar keiner ist, verstößt das gegen das Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch", sagt der Geschäftsführer des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde, Michael Welsch. Lebensmittel dürften nicht so bezeichnet werden, dass es irreführend ist. "Stellen die Kontrollbehörden der Länder einen solchen Verstoß fest, drohen Bußgeld oder andere Sanktionen."Allerdings erfährt die Öffentlichkeit von diesen konkreten Fällen fast nichts. Ähnlich wie beim Gammelfleisch müssen die Lebensmittelkontrolleure trotz des Verbraucherinformationsgesetzes keine Betriebe namentlich nennen, sagt Foodwatch-Experte Rücker. Außerdem hat die Öffentlichkeit laut Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde keinen Anspruch auf Informationen, sobald der Fall Gegenstand eines Straf- oder Ordnungswidrigkeitsverfahrens ist.