CDU-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach sagte zu möglichen Zugeständnissen der Union an die SPD für die Kanzlerschaft auf n-tv: "Ich glaube nicht, dass wir Gegengeschäfte anbieten müssen. Es geht darum, dass die SPD die Regeln anerkennt, die immer gegolten haben: Der größere Partner stellt den Kanzler."
Während das Rätselraten um die Kanzlerfrage in Berlin weitergeht, haben sich die Spitzen des Bran denburger SPD/CDU-Regierungsbündnisses zuversichtlich gezeigt, dass auf Bundesebene eine große Koalition zu Stande kommt. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) sehen ein Bündnis aus Union und SPD zum Erfolg verdammt beziehungsweise verurteilt.
Platzeck sprach sich dafür aus, dass auch künftig der Ressortchef eines großen Strukturministeriums für den Aufbau Ost Verantwortung tragen muss. "Wichtig ist, dass er am Kabinettstisch Gehör findet", sagte er in einem Pressegespräch.
Schönbohm schloss gestern erneut in einem Interview nicht aus, einem Ruf als Verteidigungsminister nach Berlin zu folgen. "Insgesamt gilt, dass wir einerseits natürlich Kompromisse mit dem Koalitionspartner schließen müssen. Andererseits sollten wir versuchen, möglichst viel von unserem Reformprogramm durchzusetzen." Wenn beide Volksparteien scheitern sollten, „würden die Bürger ihr Vertrauen verlieren“ , so Schönbohm.
Nach Ansicht von 71 Prozent der Bundesbürger kämpfen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und CDU-Chefin Angela Merkel schon zu lange um die Macht. Lediglich 26 Prozent sind der Auffassung, dass das Ringen der Parteien um das Kanzleramt nach der Bundestagswahl angemessen ist, wie aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest hervorgeht. (AFP/dpa/lh)