Seit Mitte 2004, als die SPD tief im Keller steckte und die Union in Meinungsumfragen mit 50 Prozent glänzte, geht es für CDU und CSU nur noch bergab. Lediglich 38 Prozent würden laut Meinungsforscher von Emnid die Opposition heute wählen, doch immerhin schon wieder 34 Prozent die SPD. Die Zahlenwährung dahinter ist unerbittlich. Jeder Prozentpunkt bedeutet fast 500 000 Wähler.
Die Ursache für diese Talfahrt der Union ist nicht etwa darin zu suchen, dass die SPD nun über Nacht politisch sensationell besser aufgestellt wäre. Die Schuld ist vielmehr hausgemacht. Spektakuläre Abgänge, wie die von Friedrich Merz und Horst Seehofer, böse Positionskämpfe bei vielen Grundsatzproblemen, die ungelöste Kanzlerkandidaten-Frage, all das hat Wähler verprellt.
Und zu allem Überfluss kam das Thema Raffgier und mögliche Bestechlichkeit ausgerechnet mit zwei CDU-Spitzenpolitikern, Laurenz Meyer und Hermann-Josef Arentz, bundesweit in die Negativ-Schlagzeilen. Und das unmittelbar vor den wichtigen Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen.
Eine personelle Erneuerung in zwei Schlüsselbereichen stand jetzt an. Auch wenn Merkel an den Entscheidungen herumgelutscht hat wie an einem Bonbon gegen Halsweh, herausgekommen sind überzeugende Lösungen. Der Baden-Württemberger Volker Kauder hat unter Erwin Teufel als CDU-Generalsekretär gute Arbeit geleistet. Als Parlamentarischer Geschäftsführer der Union seit 2002 war er für die Partei- und Fraktionschefin Merkel in Berlin stets eine feste Burg. Er gilt als „Workoholic“ mit lupenreiner Parteikarriere. Ein Wertkonservativer, den selbst die SPD respektiert. Auf den Stuhl des Parlamentarischen Geschäftsführers soll Norbert Röttgen nachrücken, dem bislang ebenfalls fast nur Positives nachgesagt wird. Ein jüngeres Gesicht, klug, loyal, kenntnisreich. Röttgen wäre damit der drittwichtigste Mann der Fraktion, Merkels politisches Scharnier nach allen Seiten sozusagen. Wichtige Personallücken wären somit geschlossen. Viel Zeit bleibt der CDU-Chefin mit Blick auf die Landtagswahlen nicht mehr, bei denen ein erneuter Erfolg von Rot-Grün jetzt wieder möglich erscheint. Käme es so, müsste sich Merkel warm anziehen, auch wenn es aus heutiger Sicht zu ihr als Kanzlerkandidatin der Union ernsthaft keine Alternative gibt.