Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Bahnchef Hartmut Mehdorn braucht Geld, um seine Bilanz aufzuhübschen. Kein schöner Zug der Bahn.
Immer mehr drängt sich der Eindruck auf, als sei Hoffnungsträger Mehdorn nicht die Lösung, sondern ein Teil des Problems der Bahn. Der kleine Manager mit dem großen Ziel leidet unter der fixen Idee, den privatisierten Konzern (der gleichwohl in Staatsbesitz ist), unter allen Umständen bis 2006 an die Börse bringen zu wollen. Mit seinem Tunnelblick fixiert Mehdorn nur noch die schwarze Null in der Bilanz, die als Voraussetzung für den Börsengang gilt. Ein Verhalten, das Sinn und Zweck und die verkehrspolitische Philosophie der Bahn völlig außer Acht lässt.
Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat Recht: Mehdorn ist auf dem Holzweg. Anstatt mehr Bürger in die Züge zu locken, den Service zu verbessern und die Verspätungen noch engagierter zu bekämpfen, verprellt er die Kunden. Es bleibt ein Rätsel, wie er die bloß 40-prozentige Auslastung der Züge mit noch höheren und kompliziert gestaffelten Preisen verbessern will. Ebenso rätselhaft ist aber auch der Langmut von Bundeskanzler Gerhard Schröder, der den Betriebswirtschaftler Mehdorn gewähren lässt. Wie lange noch?