Seine bislang härteste Bewährungsprobe hatte der Euro, als Griechenland nach der internationalen Finanzkrise vor zehn Jahren an den Rand der Staatspleite geriet. Nur mit milliardenschweren Rettungshilfen verhinderte die Europäische Union die Zahlungsunfähigkeit und hielt den Euro-Verbund zusammen. Griechenland war für die Geldgeber ein Glaubwürdigkeitstest dafür, ob die Europäer ihren Euro zu verteidigen bereit sind. Von wirtschaftlicher Bedeutung war und ist Griechenland nicht. Ganz anders als Italien, das hinter Deutschland und Frankreich die drittgrößte Volkswirtschaft im Verbund der 19 Euro-Länder ist. Und jetzt steckt Italien – wieder einmal – in der Krise und jeder fragt sich: Hält das der Euro aus?

Die italienische Krise und die Bedrohung des Euro hängt mit der rechts-links-populistischen Regierung in Rom zusammen. Sie tritt bislang so auf, wie es US-Präsident Donald Trump im Handelsstreit mit China und anderen auch tut: ohne jede Rücksichtnahme auf jene, mit denen man wirtschaftlich eng verbunden ist. Dies ist zwar auch für die USA auf längere Sicht fatal, aber währungspolitisch erst einmal ohne unmittelbare Folgen.

Ganz anders Italien. Ohne eine mit den Ländern des Währungsverbundes abgestimmte Wirtschaftspolitik gerät das Gefüge in Schieflage. Eine gemeinsame Währung kann auf Dauer nur bestehen, wenn sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Staaten annähern. Im Augenblick streben sie auseinander: Italiens Staatsschulden sind so hoch wie nie, das Wirtschaftswachstum ist so niedrig wie in keinem anderen Euro-Land. Wenn diese Schere weiter aufgeht, wird es eng.

Noch ist eine italienische Staatspleite nicht denkbar. Ebenso wenig aber auch, dass Europa dann ein Vielfaches dessen, was Griechenland bekam, bereitstellt.

Eine Prognose sei allerdings dennoch gewagt: Der Euro wird bleiben, auch wenn Italien fallen sollte. Es liegt an Rom, ob man dort auch in ferner Zukunft mit Euro bezahlen kann.
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