Ob aber die Kunden hierzulande, geschweige denn in Märkten wie Nordamerika diesen Weg massenhaft mitgehen werden, muss sich erst zeigen. Denn ein Elektroauto ist noch immer nicht nur teuer. Es hat auch trotz allen technischen Fortschritts der jüngeren Zeit eine zumeist überschaubare Reichweite und braucht lange zum Aufladen – wenn man etwas zum Aufladen findet. Und dann der Stecker passt. Und man problemlos bezahlen kann. Wer kein Eigenheim mit Garage oder einen Arbeitgeber mit Elektrosäulen-Parkplätzen hat, nimmt da lieber von einer Anschaffung Abstand. Auch das ist ein Grund, warum die Kaufprämie für Stromer viel seltener als erwartet genutzt wurde.

Nicht nur deutsche Konkurrenten wie BMW oder Daimler scheuen deshalb davor zurück, alles auf die batterieelektrische Karte zu setzen. Japanische und koreanische Hersteller etwa sehen eher die Brennstoffzelle als Antrieb der Zukunft. Hier versorgt die Brennstoffzelle den Elektromotor mit Strom – und der entsteht, indem der im Tank mitgeführte Wasserstoff mit Sauerstoff reagiert. Mehr als Wasserdampf kommt am Auto hinten nicht mehr heraus. Daran wird seit Jahrzehnten weltweit geforscht. Ein Durchbruch hin zu massentauglichen Fahrzeugen scheint endlich greifbar.

Damit konkurriert Elektromobilität aus der Steckdose mit Elektromobilität aus dem Wasserstofftank. Um Geld, um Infrastruktur, um Kunden. Während etwa auch VW selbst gerade mit den Motoren für den neuen Golf zeigt, dass ganz ohne Betrug Verbrennungsmotoren mit weniger Kraftstoff und weniger Emissionen auskommen können und damit attraktiv bleiben.

Auch die Verheißung, das Elektroauto werde uns von Emissionen befreien, ist mit Vorsicht zu genießen. In Innenstädten kann die Luft sauberer werden, weil nichts direkt ausgestoßen wird. So lange aber ein E-Mobil Kohlestrom lädt, ist es für CO2-Emissionen verantwortlich. Dazu kommen der hohe Rohstoff- und Energieverbrauch bei der Fertigung der Batterien und der Aufwand für das Recycling am Nutzungsende.

Zwar müssen die Autobauer zumindest in Europa zwangsläufig eine nennenswerte Zahl von E-Mobilen verkaufen, wollen sie angesichts der CO2-Grenzwerte ab 2021 happige Strafzahlungen vermeiden. Auch deshalb trifft man sich heute Abend im Kanzleramt wieder zum Autogipfel. Aber bisher sind in Deutschland lediglich 0,2 Prozent aller Autos reine Stromer. Dass sich diese Zahl in kurzer Zeit vervielfacht, darauf wettet VW. Es ist eine riskante Wette.