Wieder einer weniger: Kurz vor dem Start der Leichtathletik-WM in Doha ist Hammerwurf-Olympiasieger Dilschod Nasarow aus Tadschikistan wegen Dopingverdachts von der unabhängigen Integritätskommission des Weltverbandes IAAF vorläufig gesperrt worden. Das ist keine schlechte, sondern eine gute Nachricht für den Start der Welttitelkämpfe heute Abend. Zeigt sie doch, dass die Leichtathletik inzwischen schnell reagieren kann und konsequent durchgreift, auch wenn Dopingsünder erst Jahre später erwischt werden. Denn Nasarows positive Probe mit der verbotenen Substanz Oral-Turinabol stammt noch von der WM 2011 in Daegu.

Wenn ein Athlet heute eine noch nicht nachweisbare Substanz einnimmt, kann er sich inzwischen nicht mehr sicher sein, dass er nicht Jahre später noch dafür gesperrt wird. Das ist auch ein Verdienst des reformfreudigen IAAF-Präsidenten Sebastian Coe und seines harten Kurses gegen Korruption und Manipulation.

Auch in der Russland-Frage bleibt der Verband seit dem Aufkommen des Dopingskandals 2015 standhaft. Die nationale Anti-Doping-Agentur Rusada bleibt gesperrt, lediglich neutrale Athleten dürfen bei den Welttitelkämpfen in der Wüste starten – obwohl das Internationale Olympische Komitee die „Sache“ längst für beendet erklärt hat.

Dass sie dies allerdings nicht ist, zeigten die Schlagzeilen der vergangenen Tage. Schließlich besteht bereits ein neuer Verdacht gegen Russland, dass die an die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) ausgehändigten Doping-Daten manipuliert wurden.

Wie schon der Radsport, so hat jedoch auch die Leichtathletik erst tief fallen müssen, bis sie sich zu diesem konsequenten Vorgehen gegen Manipulationen aller Art durchringen konnte. „Wir mussten absichern, dass das Haus durch die Doping-Skandale und die Korruption nicht zusammenbricht“, gab der wiedergewählte Reformer Coe jüngst zu.

Es wurde viel getan, aber nicht genug. Denn trotz der Abwesenheit von Nasarow und der russischen Flagge kann von sauberen Welttitelkämpfen in Katar noch keine Rede sein. In vielerlei Hinsicht bekommt die IAAF und damit auch die Wada immer noch keinen Zugriff auf mögliche Betrugsfälle.

Das wird schon am ersten Wochenende bei der Suche nach dem schnellsten Mann der Welt deutlich. Im 100-Meter-Rennen um die Nachfolge von Weltrekordler Usain Bolt hat ausgerechnet Christian Coleman die besten Chancen. Der US-Sprintstar hat in diesem Jahr schon drei Dopingtests verpasst – und darf trotzdem starten. Dasselbe gilt für den verurteilten Dopingsünder Justin Gatlin, der mit stolzen 37 Jahren seltsamerweise immer noch unter zehn Sekunden läuft. Auch beim zweitschnellsten Läufer aller Zeiten, Yohan Blake, ist Skepsis angebracht. Wie einst „Wunderläufer“ Bolt vertritt auch er die Nation Jamaika, die regelmäßig von der Wada für ihre laxen Kontrollen gerügt wird. Solange nicht in allen Ländern die gleichen, strengen Regeln herrschen, bleibt es beim Traum von einer sauberen Leichtathletik-WM.