In diesem einen Punkt mag Donald Trump ja recht behalten: Besser gar kein Deal als ein schlechter. Nur: Das Versagen hat schon vor dem Gipfel von Hanoi begonnen.

Dass das zweite Treffen des US-Präsidenten mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Vietnams Hauptstadt Hanoi am Donnerstag vorzeitig abgebrochen werden musste, ist auf die miserable Vorbereitung von Trumps Stab auf den Gipfel zurückzuführen.

Vordergründig schiebt Trump das Scheitern darauf zurück, dass Kims Angebot, die umstrittene Atomanlage Yongbyon schließen zu wollen, nicht ausreicht. Trump vermutet weitere Anlagen, in denen Atomwaffen hergestellt werden könnten und zeigte sich nicht bereit, dafür sämtliche Sanktionen fallen zu lassen, die gegen Nordkorea nach wie vor in Kraft sind. Das jedoch hatte Kim für jeden weiteren Schritt einer Annäherung zur Bedingung gemacht. Dass sich Trump darauf nicht einlassen wollte, ist richtig.

Der Gipfel in Hanoi offenbart jedoch ein sehr viel größeres Problem: Außer großen Sprüchen hat Trump keinen Schimmer, wie er in diesem komplizierten Konflikt agieren soll. Weder gibt es auf US-Seite eine Strategie noch ein einheitliches Vorgehen. Die Behauptung seines Stabs, das Verhalten Trumps sei Teil seiner Verhandlungsstrategie, hat sich in Hanoi einmal mehr als Farce entlarvt. Stattdessen schwafelt er unermüdlich davon, was für ein „großartiger Führer“ und „Freund“ Kim doch sei und weckt auf diese Weise völlig falsche Erwartungen. Seit ihrer ersten Begegnung vor acht Monaten in Singapur haben sich beide Seite nicht einmal darauf verständigen können, was sie mit „Denuklearisierung“ genau meinen. Trumps planloses Vorgehen hat sich in Hanoi gerächt. Gab es zwischenzeitlich die Hoffnung, sein unkonventionelles Vorgehen mit Nordkorea könnte tatsächlich Frieden schaffen, entblößt er sich auch bei diesem Thema als Niete. Die Gefahr einer atomaren Auseinandersetzung in einer der wichtigsten Wirtschaftsregionen der Welt ist leider nicht geringer geworden. politik@lr-online.de