Die Verheißung ist groß, die Angst ist es ebenso. Mit der Gen-Schere Teile aus dem Erbgut zu entfernen, die für Brustkrebs oder Mukoviszidose verantwortlich sind, könnte vielen Menschen Leid ersparen. Aber auch den Weg in eine Zeit ebnen, wo nicht nur Krankheiten aus der DNA verbannt, sondern auch noch Größe und Augenfarbe programmiert werden. Da bekommt der Begriff Wunschkind eine ganz neue Bedeutung. Der Mensch als sein eigener Schöpfer. Der Ethikrat sieht die Menschheit deshalb vor einer neuen Epoche. Und will diese gleichzeitig aber noch etwas hinauszögern.  Denn viel zu viele Fragen sind noch ungeklärt, viel zu viele Risiken noch unbekannt. Forschung tut nach Meinung des Gremiums also not, die Anwendung dagegen sollte vorerst auf Eis liegen. Das ist wissenschaftlich vernünftig und gibt zudem der Gesellschaft  Zeit, darüber zu diskutieren, ob und wenn ja, was wir an unserem Erbgut verändern lassen möchten. Aber auch darüber, wie wir forschen wollen.

So einleuchtend klingt, was das Gremium aufgeschrieben hat: Die Voraussetzung für solch einen geregelten Weg ist ein weltweites Moratorium. In Zeiten, wo multilaterale Verträge aus der Mode zu kommen scheinen und immer mehr Staaten vor allem an den eigenen Vorteil denken, ist es aber alles andere als klar, dass es dazu kommt. Zudem: Für die Gen-Schere braucht man keine riesigen Labore. Es gibt genug ehrgeizige Wissenschaftler, die sich selbst bei Verkündung eines offiziellen Moratoriums von einem drohenden Publikationsverbot nicht schrecken lassen. Der chinesische Professor, der die beiden ersten „Designer-Babys“ zu verantworten hat, nutzte zur Unterrichtung der geschockten Weltöffentlichkeit ja auch Youtube. Ob die neue Menschheitsepoche Fluch oder Segen bedeutet, ist längst noch nicht ausgemacht.

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