Seit Beginn seiner Amtszeit hat US-Präsident Trump Fehler gemacht, die jeden anderen Politiker die Karriere gekostet hätten. Keine Entscheidung aber war so folgenschwer wie der Truppenabzug aus Syrien. 

Für die türkische Offensive mit ihren nach kurzer Zeit verheerenden Folgen hat Trump eigenhändig den Weg frei gemacht. Unmittelbar nachdem er den US-Rückzug verkündet hatte, blies Erdogan zum Angriff gegen Kurden im Grenzgebiet. Nun sollen bis zu 200 000 Menschen auf der Flucht sein und mehrere Hundert IS-Kämpfer wieder auf freiem Fuß.

Von abscheulichen Gräueltaten wird berichtet, die von Ankara unterstützte arabische Milizen an unschuldigen Zivilisten begingen. Da in den USA auch die Kritik in den Reihen der Republikaner deutlich zugenommen hat, will Trump jetzt zurückrudern.

Zum ersten Mal seit Beginn seiner Präsidentschaft spürt er massiv, dass eine Fehlentscheidung politische Folgen haben kann.

Der Sachverhalt ist auch für seine Wähler leicht zu verstehen: Die kurdischen Kämpfer haben die USA im Kampf gegen die Terrormiliz IS mutig unterstützt. Diese nun im Stich zu lassen, könnte auch neue Terrorgefahren für die USA heraufbeschwören. Dass Trump viele Versprechen nicht einlöste, haben ihm die Republikaner immer wieder verziehen.

Diesmal könnte er aber den Bogen überspannt haben, weil die Kurden nun Hilfe vom syrischen Präsidenten Assad erbeten haben, und dieser, wie sein Hauptverbündeter Russland, aus dem Konflikt gestärkt hervorgeht. Zum anderen, weil Trumps Wähler befürchten, durch ihren Präsidenten selbst neuen Gefahren ausgesetzt zu sein.

Umfragen zeigen, dass moderate Republikaner Trump jetzt zunehmend den Rücken kehren. Auch verurteilen etablierte Republikaner im Kongress den Rückzug aufs Schärfste. Mit Sanktionen und dem Angebot, zwischen Ankara und den kurdischen Kräften einen Waffenstillstand zu vermitteln, wird Trump den bereits entstandenen Schaden nicht beheben können. Die Solidarität unter republikanischen Wählern und Parteifreunden bröckelt. Chancen auf eine Wiederwahl, und nur darum geht es diesem Präsidenten, könnten deutlich sinken. politik@lr-online.de