Die evangelische Landeskirche Sachsens wird am Montag bekannt geben, ob sie den Rücktritt ihres Landesbischofs  Carsten Rentzing annimmt. Der 52-Jährige dürfte nur noch wenige Fürsprecher im Führungsgremium haben. Rentzing druckste herum, als seine demokratiefeindlichen Texte aus Studententagen öffentlich wurden. Er entzog sich einer Erklärung, warum er ausgerechnet an der Berliner Bibliothek des Konservatismus, einer Denkstube der Neuen Rechten, einen Vortrag hielt.

Während der konservativ-lutherische Theologe deutliche Worte gegen homosexuelle Partnerschaften fand, blieb er auffallend still gegenüber kritisierenswerten Umtrieben von Pegida oder von AfD-Politikern in seinem Bundesland. 

Alle Kirchen sind mit der Frage nach dem Einfluss von rechts konfrontiert, evangelisch wie katholisch, in Ost wie in West; aber besonders in Sachsen. Rund 27 Prozent der Wähler gaben im September der AfD ihre Stimme. Es liegt nahe, dass von diesen Bürgern der ein oder andere auch in kirchlichen Gremien engagiert ist. 750 000 Mitglieder zählt Sachsens Landeskirche, das sind 18 Prozent der Bevölkerung.

Ein pauschaler Unvereinbarkeitsbeschluss von AfD- und Kirchenmitgliedschaft führt da nicht weiter. Auch wenn eigentlich nicht zu erklären ist, wie die Positionen der AfD zu Einwanderung oder zu Muslimen, ihre Verächtlichmachung der Demokratie und Schmähung politischer Gegner mit der christlichen Botschaft von Nächstenliebe zusammenpassen sollen.

Doch der Alltag hat Fakten geschaffen. AfD-Mitglieder sind in vielen evangelischen Kirchengemeinderäten engagiert. Kirchliches Engagement wirkt fatalerweise vertrauensbildend und hilft, nationalistische, islamophobe und migrationsfeindliche Positionen zu entdämonisieren. Darin liegt die Gefahr der unheiligen Allianz zwischen Kirchen und Gruppierungen, die ein deutsch-nationales Christentum formen wollen.

Auch nach 1933 wollten die deutschen Christen den universalen Schöpfergott zu einem „deutschen Nationalgott“ umdeuten.

Die Konsequenz daraus ist heute das unermüdliche Eintreten der Kirche gegen Menschenfeindlichkeit. Das muss Leitschnur bleiben. Kirchen haben nicht Menschen auszugrenzen, wohl aber Positionen, die fremden-, islam- oder sexualfeindlich sind.

Die Debatte über diese Grenzziehung hat erst begonnen. Carsten Rentzing gibt ihr noch einen Schub.

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