Die bunte Welt der Start-ups war noch nicht erfunden, als Samuel Beckett niederschrieb, was später dann zu deren fröhlichem Leitspruch werden sollte: „Try again. Fail again. Fail better.“ Wieder versuchen, wieder scheitern, besser scheitern.

Das Scheitern schüttelt nun auch in der Politik allmählich seinen unschönen Beiklang ab. Niederlagen werden – vor allem von jüngeren Politikern – nicht mehr panisch vermieden oder schamvoll verschwiegen, sondern zum Baustein der weiteren Karriere umgestaltet. Und siehe da, es funktioniert.

Jens Spahn beispielsweise stürzte sich in das Rennen um den CDU-Parteivorsitz, obwohl dies von Anfang an als Duell zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz angelegt war. Er zog auch nicht zurück, als ihm dies dringend zur Vermeidung einer Niederlage nahegelegt wurde. Und sammelte am Ende mit seinem dritten Platz so viele Pluspunkte, dass diese inzwischen eine solide Grundlage für mögliche Kanzlerkandidatur-Ambitionen bilden.

Der Europapolitiker Manfred Weber wiederum brauchte nur einen Sommer, um sich erstens einen Bart wachsen zu lassen und zweitens den Verlust der beinahe schon sicheren EU-Kommissionspräsidentschaft zu verdauen. Jetzt mischt der CSU-Mann wieder als respektierter Fraktionschef in Europa mit, dürfte in zweieinhalb Jahren Präsident des EU-Parlaments werden und – wer weiß – in fünf Jahren womöglich doch noch Kommissionschef. Ist Verlieren also tatsächlich das neue Gewinnen in der Politik?

Interessant ist jedenfalls, dass der Wille zur Macht inzwischen offener und womöglich spielerischer ausgelebt werden kann. Es sei denn natürlich, diejenige heißt Ursula von der Leyen. Die CDU-Politikerin hat mit ihrem unverhohlenen Ehrgeiz stets zuverlässig Sympathien verspielt. EU-Kommissionspräsidentin wurde sie nur, weil sie es eben nicht unbedingt werden wollte.

Was heißt das nun für die SPD und ihren Wettkampf um die Spitze? Heitere Verlierer hat es zuletzt nicht viele gegeben. Martin Schulz führt ein Leben als Hinterbänkler, Andrea Nahles ist verschwunden, und Sigmar Gabriel profiliert sich als notorischer Besserwisser. Offenbar ließen weder die Umstände noch die Persönlichkeiten einen entspannten Umgang mit den Misserfolgen zu.

Genau der ist aber nötig, um wieder erfolgreich sein zu können.

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