Jonathan Safran Foer ruft zum Widerstand auf: „Wir sind das Klima!“, heißt sein neues Buch – man liest es gerne gedruckt auf Papier. Oder Greta Thunbergs Rede zum Klimaschutz: „Ich will, dass ihr in Panik geratet!“ – verbreitet auf Papier. Aber ist die Produktion eines gedruckten Buches nicht auch klimaschädlich, angefangen beim Roden der Wälder?

Tja, als hätte die Buchbranche nicht schon genug Sorgen und als müsste die Menschheit nicht darum bangen, dass die jahrtausendealte Kulturtechnik des Lesens diese Zeiten überlebt. Jetzt muss sie sich auch noch mit der Öko-Krise befassen. Das tut sie natürlich schon lange und verlegt die Warnungen schlauer Wissenschaftler und Autoren. Das Buch liefert auch in der hypermodernen Nachrichtenwelt praktisch und gründlich Informations- und Debattenstoff.

Doch, die Verlage müssen sich auch selbst an die Nase fassen, tatsächlich sind manche Unternehmen schon kräftig dabei, umweltfreundlicher zu produzieren. Wobei der Anteil der Buchbranche am Papierverbrauch im Verhältnis zur Verpackungsindustrie nur gering ist. Lieber zum E-Book-Reader greifen? Ein solches Gerät, sagen Studien, sei nur ressourcenschonender, wenn man über Jahre hinweg mehr als 20 Bücher jährlich lese. Das könnte, bei entsprechender Lektüre, immerhin einen intellektuellen Beitrag zur Weltrettung leisten.

Was nun wirklich das augenfälligste Thema ist: die Einschweißfolie. Ullstein etwa verschließt das Hardcover nur mit einem leicht entfernbaren Klebestreifen. Andere Verlage tun sich noch schwer, weil nicht jeder Kunde einen abgegrapschten, fettfleckigen Bildband kaufen möchte.

Jetzt aber noch mal zum Inhalt, der zweifellos nicht immer das Papier lohnt, auf dem er gedruckt ist. Aber das Buch und auch die Zeitung – ob nun gedruckt oder digital – sind nach wie vor keine Wegwerfprodukte, sondern Quellen der Bildung und ebenso Unterhaltungsmedien, die man schamfrei nutzen darf. Meinungsfreiheit! Ein Roman entführt einen Menschen sogar ins Reich der Fantasie – Literatur kann einen zumindest aus einer manchmal trostlosen Wirklichkeit entheben.

Nicht zuletzt: „Im Gedankenspiel“ der Literatur „entwickeln wir unsere moralischen Werte und ethischen Orientierungen, die es uns erlauben, uns in dieser Welt zurechtzufinden“, schreibt Denis Scheck, der einen Kanon mit den 100 wichtigsten Werken der Weltliteratur vorlegt – erhältlich auch als E-Book. Aber als edel auf Papier gedrucktes, gebundenes Buch ist „Schecks Kanon“ auch kein Klimakiller. Und eine Bibliothek ist kein Kraftwerk, das Schadstoffe ausstößt, sondern sie produziert intellektuelle Energie.

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