Der sächsische Verfassungsgerichtshof hat Geschichte geschrieben und der Demokratie einen großen Dienst erwiesen. Die Juristen setzten sich über den Landeswahlausschuss des Freistaates hinweg und ließen 30 statt 18 Kandidaten auf der AfD-Wahlliste zu.  Offiziell „vorläufig“, vermutlich aber endgültig. Und das noch vor der Landtagswahl am 1. September. Aus guten Gründen ist es bundesweit üblich, Anfechtungen von Entscheidungen der Wahlorgane erst nach dem jeweiligen Wahltermin zu verhandeln. Zu leicht ließen sich sonst Urnengänge torpedieren.

Die Ausnahme wurde nötig, weil die Wählermeinung völlig verzerrt würde, wenn die AfD viel mehr Landtagsmandate bekäme, als sie Abgeordnete ins Parlament schicken dürfte. Das hätte mit Sicherheit die Wiederholung der Wahl zur Folge gehabt. Vernünftigerweise ließen die Verfassungsrichter Sachsen nicht sehenden Auges in diese Situation laufen.

An der selbstgewählten Opferhaltung der AfD ändert das natürlich nichts. Erst war das Urteil ein großer Sieg, dann wieder doch nicht. Natürlich lamentieren die blauen Superpatrioten weiter über Intrige und Komplott. Dabei haben sich die AfD-Wahlspezialisten selbst ins Abseits manövriert. Wie Listen aufgestellt werden, ist hinreichend bekannt. Nur der sächsischen AfD offenbar nicht. Zwei Parteitage für eine Liste scheint das Gericht noch durchgehen zu lassen, die Änderung des Wahlverfahrens mitten im Abstimmungsprozess wohl nicht. Sollte sich die AfD auch weiterhin an Wahlen beteiligen wollen, wäre es hilfreich, wenn alle Gliederungen dieser Partei die für jede Partei geltenden Regeln lesen, sich merken und einhalten würde.