Was tun wir, wenn uns jemand etwas beibringt? Nun, für gewöhnlich danken wir unserem Lehrer und wissen es auch zu schätzen, dass wir klüger aus einer Situation kommen als wir in sie hineingegangen sind. Wenn wir aber etwas über uns selbst lernen, verkehrt sich unsere Reaktion nicht selten ins Gegenteil. Weil uns womöglich nicht gefällt, was wir erfahren. So verhält es sich auch, wenn wir mit Rassismus konfrontiert werden und vielleicht sogar noch unter Verdacht geraten. Plötzlich bezweifeln, verharmlosen und negieren wir – weil wir auf einmal glauben, es besser zu wissen als unser Lehrer.

Auch in der Lausitz gibt es Rassismus

Rassismus? Ja, ja, furchtbar. Aber hier bei uns doch nicht. Schauen Sie mal da rüber, da ist es doch viel schlimmer! Viele Reaktionen in den vergangenen Wochen haben gezeigt: In Deutschland (und auch die Lausitz ist da keine Ausnahme) lassen wir uns zu oft von einem Ja-aber-Kompass leiten, der uns durch diese Debatte navigieren soll. Dieser Kompass ist aber nicht auf Selbstreflexion geeicht – sondern auf Selbstverteidigung.

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Es ist genau diese mitunter fehlende Bereitschaft, sich unvoreingenommen und uneitel seinen eigenen rassistischen Gedankenmustern zu stellen, den die Leipziger Autorin und Antirassismus-Trainerin Tupoka Ogette als „Happyland“ bezeichnet. Eine weiße Welt, die Rassismus zwar verurteilt, sich gleichzeitig aber nicht eingestehen möchte, dass sie auch selbst noch einen weiten Weg bei der Rassismusbewältigung vor sich hat. Eine Welt, die von „Ausländern“ oder „diesen Menschen“ spricht und gar nicht merkt, dass es oft um deutsche Landsleute geht. Eine Welt, die nicht an sich arbeiten möchte, weil sie denkt, gut genug zu sein. In dieser Welt offenbart sich der gleiche Reflex, den wir auch bei anderen Themen sehen. Bei der Auseinandersetzung mit Feminismus und sexueller Belästigung zum Beispiel.

Die Bilder in unseren Köpfen müssen sich verändern

Eine Frage, die immer wieder aufkommt und gerne als Alibi für unsere Unschuldsplädoyers benutzt wird, ist die, wann und wo Rassismus überhaupt beginne. Beginnt er erst bei gewalttätigen Übergriffen oder doch schon beim vermeintlich harmlosen Erkunden, wo denn der dunkle Teint tatsächlich herkommt? Natürlich sollte nicht jeder gleich einen Rassismus­stempel bekommen, und es ist auch nie grundverkehrt, Feststellungen und Vorwürfe in Relation zu setzen. Aber: Diese Haltung erhöht eben auch die Gefahr, dass diejenigen, die gar keine Rassismuserfahrungen machen, bestimmen, wann sich der Gegenüber verletzt fühlen darf und wann nicht. Damit geben wir Betroffenen auch das Gefühl, sie seien aber schon irgendwie ganz schön frech und vorlaut. Dabei weisen sie nur auf Ungerechtigkeiten hin – und das völlig zu Recht.
Kommentar zum Alltagsrassismus in der Lausitz Sprache kann rassistisch sein

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Statt immer wieder zu beteuern, wie frei unsere Gesellschaft von Rassismus ist, sollten wir endlich bestimmte Bilder in unseren Köpfen verändern. In dem Moment, in dem wir anerkennen, dass in Deutschland aufgewachsene Menschen nicht automatisch weiß aussehen müssen, verändern sich auch unsere Fragen und Vorurteile.
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