Es ist ein besonderer zeitlicher Zufall, dass ausgerechnet zum 25. Jubiläum das Bundeskabinett am heutigen Montag die schwarz-gelbe "Agenda 2022", einen ambitionierten Atomausstieg, beschließen will. Durchgesetzt auf Betreiben des Umweltministers Norbert Röttgen (CDU). Der Grund für das neue Ministerium war 1986 der Gau von Tschernobyl rund sechs Wochen zuvor - so sollte der Opposition Wind aus den Segeln genommen werden. "Wir sind dafür verantwortlich, dass auch die nach uns kommenden Generationen menschenwürdige Lebensgrundlagen vorfinden", betonte Strauß.

Der Frankfurter Oberbürgermeister Walter Wallmann (CDU) wurde von Kanzler Helmut Kohl (CDU) nach Bonn berufen, die CSU akzeptierte im Gegenzug, dass ihr Innenminister Friedrich Zimmermann als bisher Verantwortlicher die Umweltzuständigkeit abgab. "Um der gemeinsamen Sache zum endgültigen Sieg zu verhelfen", wie Landesgruppenchef Theo Waigel betonte. Er beschuldigte SPD und Grüne, aus Ängsten nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl Kapital schlagen zu wollen. Wi eder ist es nun eine Reaktorkatastrophe, diesmal im japanischen Fukushima, die für eine Zäsur in der deutschen Politik verantwortlich ist.

Diesmal reagieren die erneut regierenden Union und FDP nicht mit einer Ministeriumsgründung, sondern gleich mit dem Atomausstieg. Pünktlich zum Jubiläum wird der Berliner Sitz des Ministeriums aus dem tristen Plattenbau mit seinen endlos langen, dunklen Gängen am Alexanderplatz umziehen in die Stresemannstraße 128, direkt an die ehemalige Mauergrenze. Mauerreste werden in den Neubau integriert .

In 25 Jahren entwickelte sich das Bundesumweltministerium (BMU) zu einer Erfolgsgeschichte - und zu einem Sprungbrett für politische Karrieren: Wallmann, der nur bis 1987 das BMU führte, folgten Klaus Töpfer (CDU/1987-1994), Angela Merkel (CDU/1994-1998), Jürgen Trittin (Grüne/1998-2005), Sigmar Gabriel (SPD/2005-2009) und seit 2009 Röttgen, dem von vielen auch das Kanzleramt zugetraut wird. Gemeinsam mit Töpfer, Trittin und Gabriel wird Röttgen am Montag zur Einweihung des neuen Dienstsitzes über "Bausteine, Stolpersteine und Meilensteine" in 25 Jahren Umweltpolitik diskutieren. Neben der Klimapolitik und dem Einsatz für einen Atomausstieg ist einer der wichtigsten Erfolge sicher der von Rot-Grün im Jahr 2000 begonnene Ausbau der Ökoenergien durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Es soll nun von einem Subventionsgesetz hin zu einem Gesetz verändert werden, das die Ökoenergien markt- und wettbewerbsfähig macht. Hinzu kommen viele Entscheidungen, die den Alltag der Bürger betreffen. Nicht so erfreut waren die Bürger über die auf Betreiben des BMU erfolgte Einführung des Biosprits E10, der an Tankstellen floppte. Immerhin 1,6 Milliarden Euro stehen dem BMU 2011 im Etat zur Verfügung.