Wohl selten gibt es ein Gerichtsurteil, das sich so einfach skandalisieren lässt: Das Kükentöten bleibt vorerst erlaubt. Millionen niedlicher Junghähne werden sterben, weil sie nutzlos sind. Leichter als mit diesem Bild lässt sich für Tierrechte wohl kaum mobilisieren. Dabei hat das Gericht eine entscheidende Verschiebung angestoßen. Wirtschaftliche Interessen akzeptieren die Richter nämlich nicht mehr als „vernünftigen Grund“ für die Tötung frisch geschlüpfter Hähne. Einzig die Tatsache, dass die Brütereien ihre Arbeitsweise nicht sofort umstellen können, führt zu dem Aufschub. Der Skandal löst sich also in Luft auf. Das Kükentöten steht vor dem Aus.

Damit kann der Blick auf das gelenkt werden, was wirklich wichtig ist. Wer etwas im Sinne der Tiere tun will – und das ist selbstverständlich geboten –, der muss nämlich beim Tierwohl ansetzen. Getötet werden Tiere in der Landwirtschaft sowieso. Wer auf tierische Produkte nicht verzichten will, muss das akzeptieren. Was aber nicht akzeptabel ist, sind Lebensbedingungen, die den Tieren vorher Leid, Stress und Schmerz zufügen. Sie sind der Skandal.

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