Die Menschen dankten es ihm mit hohen Zustimmungsraten. Doch dann kippte die Stimmung, weil sich Morales plötzlich für unersetzlich hielt. Dass der Präsident zu dieser Wahl überhaupt antrat, nachdem ihm sein Volk bei einem von seiner Partei selbst initiierten Referendum vor drei Jahren an der Urne die Aufhebung der Amtszeitbegrenzung untersagte, ist der Schlüsselmoment der heutigen Krise. Einen „ewigen Evo“ an der Macht, das wollte auch die Mehrheit der Bolivianer nicht. Morales hatte vor dem Referendum versprochen, das Ergebnis zu akzeptieren, um dann doch sein Wort zu brechen. Seitdem hat er das Vertrauen vieler Bolivianer verloren. Als er sich am Wahlabend hinstellte und seinen Wahlsieg erklärte, obwohl die Wahlbehörde zuvor noch eine Stichwahl in Aussicht stellte, ließ diese Wunde wieder aufbrechen. Sein konservativer Herausforderer Carlos Mesa kann bislang außer Vermutungen keine handfesten Beweise für eine Wahlmanipulation vorlegen. Für die Demokratie im Lande wäre es besser, beide würden zur Seite treten. Denn egal ob Wortbrecher Morales oder Ankläger Mesa aus diesem Konflikt als Sieger hervorgehen, sie würden gegen eine Hälfte des Volkes ankämpfen müssen.

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