In einer Partnerschaft mit Kind sollte die Frau kürzertreten. Diese Ansicht ist laut der Shell-Studie unter Jugendlichen mehrheitsfähig.

Wenn sie 30 Jahre alt wären und ein zweijähriges Kind hätten, würden 65 Prozent der Mädchen maximal halbtags arbeiten. 68 Prozent der männlichen Jugendlichen wünschen sich genau das von ihrer Partnerin. Mehr als die Hälfte aller Zwölf- bis 25-Jährigen favorisiert ein „männliches Versorgermodell“.

Fragen nach Mutter-Vater-Kind-Verhältnissen wurden für die Studie erstmals gestellt. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) verweist auf die „großen Unterschiede zwischen West und Ost“. Im Osten sehen nur 38 Prozent der jungen Männer (West: 58 Prozent) und 31 Prozent der Frauen (West: 56 Prozent), den Familienvater als Haupt-oder Alleinversorger.

„Das hat mit dem zu tun, was junge Menschen in den eigenen Familien erlebt haben“, sagt Giffey. Und mit den Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Laut Studienleiter Mathias Albert würden die Ergebnisse „nicht unbedingt eine Retraditionalisierung“ anzeigen. Dafür fehlten Vergleichsdaten.

„Langfristig ist auf jeden Fall jede Menge Bewegung in dem Geschlechtsrollenbild“, erklärt der Sozialwissenschaftler Ulrich Schneekloth. „Die jungen Frauen schneiden bei der Bildung besser ab als die jungen Männer. Sie sind konzentriert, werte- und gesundheitsbewusster und auch umweltbewusster“. Umso überraschender sei es, dass sich dies „noch nicht auf die spätere geplante Arbeitsteilung mit einem Partner auswirkt“.

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