Von Größenwahn sprach die Ministerin – und von einem sehr ambitionierten Vorhaben. Begriffe, die sich Brandenburgs Politik sonst nicht entlocken lässt. Doch der sprachliche Gigantismus hat Grund. Die Landesregierung will zeigen, dass es ihr ernst ist: Brandenburg will in Cottbus Ärzte ausbilden.
Damit ist endlich klar, dass die Idee mehr ist als ein Manöver im Landtagswahlkampf des vergangenen Jahres. Cottbus soll das Zentrum der neuen staatlichen Medizinerausbildung in Brandenburg werden. Gegen alle Skepsis im Lande und allen regionalen Verteilungskonflikten zum Trotz. Denn längst wird in anderen Regionen geunkt, dass die Lausitz, über der eine 17 Milliarden Euro schwere Wolke aus Kohle-Kompensation schwebt, wahrlich genug bekommen habe.
Nun stürzt sich die Landesregierung in der Lausitz in ein Abenteuer, das eigentlich zu groß ist für ein einziges Bundesland. Viel Geld vom Bund wird gebraucht für dieses Projekt, das – bei allem Optimismus - auch in die Hose gehen kann. Und wenn, dann wäre es ein teures Versagen. Cottbus ist ein riskantes Pflaster für hochfliegende Hochschul-Träume. Die BTU hat Probleme, nicht nur wegen der sinkenden Studentenzahlen. In einem Uni-Traumbau lässt sich nicht nur viel Geld versenken, wenn er am Ende kaum bespielt wird. Es wäre ein fatales Signal, wenn ein Großprojekt, das zum Herzstück des Strukturwandels gehypt wurde, nicht funktioniert. Die Hochschulmedizin ist zum Erfolg verdammt.
christine.keilholz@lr-online.de
Strukturwandel in der Lausitz Startschuss für Uni-Medizin in Cottbus

Berlin