Man stelle sich einmal kurz vor, die Große Koalition wäre ein beliebiges Supermarkt-Produkt, sagen wir, ein Kaugummi. Nun sorgt sich der Hersteller wegen der Absatzschwäche und sinnt auf Abhilfe. Wäre die Vorlage einer Informationsschrift da das Mittel der Wahl? Wäre es eine gute Idee, diese auf 80 Seiten oder mehr anzulegen? Wäre es überzeugend, wenn die Vorlage des Mammut-Papiers dann auch noch verschoben wird? Wohl kaum.

Nun ist die Koalition kein Kaugummi und die Regierung kein Süßwaren-Produzent. Und Politik ist – glücklicherweise – auch ein bisschen komplizierter als Reklame. Aber etwas mehr Kompetenz in Sachen Eigenwerbung hätte man vom Koalitionsausschuss schon erwarten dürfen. Zumal die Bertelsmann-Stiftung schon vor Wochen eine Argumentationshilfe vorgelegt hat: Die Koalition ist besser als ihr Ruf, sie hat die selbstgesteckten Aufgaben bislang nahezu vorbildlich abgearbeitet. Dass diese Botschaft nicht durchdringt, kann die Regierung übrigens auch nicht einfach bei den Medien abladen. Aktuelles Beispiel: Die Grundrente erst zur Schicksalsfrage des Landes und zur Sollbruchstelle des Bündnisses hochzujazzen und dann trotz Expertengesprächen, Sonder-Arbeitsgruppen und Spitzentreffen keine Lösung finden, diese brillante Strategie haben sich CDU, CSU und SPD ganz alleine ausgedacht.

Vielleicht sollte sich insbesondere der sozialdemokratische Teil der Regierung ausnahmsweise einmal an einen Satz des Ex-SPD-Chefs Oskar Lafontaine erinnern: „Wenn wir selbst begeistert sind, können wir auch andere begeistern.“ Und wenn es zur Begeisterung nicht reicht, würden es Selbstvertrauen und Optimismus für den Anfang auch tun. politik@lr-online.de