Die Rundschau wagt den Selbstversuch. Ein Abend nackt an den wunderschönen Ufern des Hennersdorfer Sees – ohne Mantel, aber mit Degen ... *Zwinkersmiley
Eine total nicht repräsentative Umfrage am Ufer des Sees offenbart die für die Freikörperkultur wohl am ehesten zutreffende Meinung. „Es ist schon ganz nett, wenn wir unter uns bleiben. Es ist genug Platz für alle da. Und wenn wir unsere Sachen anziehen, nehmen wir auch unseren Müll wieder mit“, sagt eine Anhängerin des textilfreien Luft- und Wasserkontakts mittleren Alters. Anfeindungen mit bekleideten Badegästen habe sie noch nicht erlebt. Wohl aber Gaffer und mit Badehosen und Bikinis bekleidete Menschen, die ihre Bierflaschen, Kronkorken und Zigarettenkippen liegen lassen.

Militante Nudisten sind diesmal nicht zu finden

Militante Nudist*innen mit DDR-Migrationshintergrund sucht der nackte Reporter an dem lauen Sommerabend vergeblich. Fakt ist: Angezogene Menschen tun keinem weh. Nackte am See aber auch nicht.
Die Rundschau recherchiert nackt an den wunderschönen Ufern des Hennersdorfer Sees. Klar: So gibt es keinen Nudistenterror. Aber auch angezogen bleiben Anfeindungen von Nackten an dem lauen Sommerabend aus.
Die Rundschau recherchiert nackt an den wunderschönen Ufern des Hennersdorfer Sees. Klar: So gibt es keinen Nudistenterror. Aber auch angezogen bleiben Anfeindungen von Nackten an dem lauen Sommerabend aus.
© Foto: Henry Blumroth
Fest steht leider auch: Der Dialog zwischen Andersdenkenden wird nicht nur online immer extremer. Das passiert jetzt offenbar auch an den schönsten Stränden der Lausitz. Vielleicht werden wir in zwei Jahren wissen, dass die Masken falsch waren, die Querdenker recht hatten. Stand jetzt ist die Möglichkeit aber auch riesengroß, dass der Mund-Nasen-Schutz schon das ein oder andere Leben gerettet, niemals nie aber ein Leben vernichtet hat. Wie auch??

Koexistenz von Angezogenen und Nackten ist möglich

Was im Spätsommer 2020 aber zweifellos ohne jeden Toten umsetzbar ist, ist mein frommer Wunsch: Lasst uns eine Koexistenz wagen zwischen nackten Wasserratten und angezogenen Badegästen. Wir sind in Elbe-Elster in der komfortablen Situation, außerhalb der Städte viel Platz zu haben. Auch deshalb verschont uns die Coronakrise bislang wahrscheinlich weitestgehend. Viele Gründe zur Sorge bleiben.
Nicht aber, wenn es darum geht, am Strand oder im Badesee nackt zu sein. Das ist ostdeutsches Kulturgut. Es gibt keinen Grund, andere dafür anzufeinden. Völlig egal, in welcher Richtung! Wir sollten diese Energie lieber dafür aufbringen, aufeinander aufzupassen.

Sonnewalde/Finsterwalde