Die lange Geschichte von Mühlrose endet tragisch. Dieser Tage rücken die Bagger an. Die ersten Gebäude ereilt das Schicksal, das auf das ganze Dorf wartet: Ein unfassbarer Vorgang, den der Begriff „Devastieren“ nicht erfassen kann. Um Mühlrose sind nach jahrelangem Kampf alle Schlachten geschlagen und alle Opfer gebracht worden. Bleibt nur ein Trost: Mühlrose ist das wahrscheinlich letzte Lausitzer Dorf, das der Braunkohle zum Opfer fällt. Falls Proschim auf Brandenburger Seite bleiben kann, ist Mühlrose das letzte von mehr als 100 verschluckten Dörfern.
In Mühlrose endet die Rohstoffgewinnung, die den Menschen buchstäblich den Lebensraum abgräbt. Hier zeigt sich auch das Lausitzer Dilemma: Die Braunkohle-Wirtschaft mag als Arbeitgeber in der Region noch so wichtig sein. Trotzdem kann eine Industrie, die auf Selbstausbeutung basiert, nicht ewig weitergehen. Es ist richtig, dass die Braunkohle 2038 ausläuft.
Die Zukunft des Reviers ist seit einem Jahr entschieden. Trotzdem reißen die Bagger in Mühlrose nun die alten Wunden nochmal auf. Verständlich, dass sich nun wieder jene melden, die das Dorf nicht verloren geben wollen, solange es noch steht.
Aber welche Zukunft könnte der Ort haben? Wer kann leben auf einer Landzunge mitten in der Mondlandschaft, wo es kein Grundwasser mehr gibt und die Luft steht vor Dreck? In einem Dorf, dessen Gemeinschaft gespalten wurde im langen Kampf ums Überleben?
Tatsächlich ist Mühlrose schon lange zerstört. Man sollte die Bewohner in Frieden trauern lassen, statt die Fehden wieder anzufachen. Frieden hat Mühlrose verdient.