Schön ist das für Scholz sicher nicht. Mehr als ein Dutzend Mal hat er sich jetzt den Genossen auf den Regionalkonferenzen gestellt, und was ihm begegnet, sind oft Kälte und Ablehnung. Einmal wurde der Bewerber um die Parteispitze von einem Juso sogar gesiezt. Wie soll bloß einer die Partei führen, dem die Genossen das obligatorische Du verwehren? Vor diesem Hintergrund ist es nur zu verständlich, dass Scholz mit seiner Ko-Kandidatin Klara Geywitz langsam nach links rückt. Nur glaubwürdig ist das nicht.

Denn Olaf Scholz steht wie kein Zweiter der Kandidaten für die Große Koalition. Er war dabei, als Andrea Nahles die SPD zum Regierungseintritt überredete; er vertritt nach ihrem Abgang die Politik von Union und SPD von der Regierungsbank aus. Die Drohung, aus der Groko auszusteigen, dient ihm allein dem Zweck, Druck auf den Koalitionspartner aufzubauen. Eigentlich will Scholz, dass die Koalition gelingt. Die Genossen wissen das. Der Vizekanzler kann das nicht nur nicht verschleiern, es schadet ihm auch. Denn die SPD sucht im Moment nicht nur eine neue Spitze. Die Mitglieder wollen auch wissen, wofür ihre Partei steht.

politik@lr-online.de