Großkoschen hat eigentlich alles, was einen Ort attraktiv macht. Den Senftenberger See vor der Nase, das Amphitheater, den Familienpark. Auch direkt im Ort wird es immer schöner. Die vielen Herbergen, Pensionen, Ferienwohnungen, der sanierte Dorfanger machen Großkoschen zu einem Vorzeigeort. Wenn da nicht dieser graubraune Koloss direkt gegenüber der Kirche das perfekte Bild zerstören würde. Der alte Dorfkrug an sich ist ja nicht hässlich. Er bräuchte aber wieder etwas Farbe und vor allem neues Leben im Haus. Hochwertiges Wohnen in einem Seenland-Palais zum Beispiel, wie es der Eigentümer einst angekündigt hat. Dass eine Firma hier seit fast einem Jahrzehnt das Blaue vom Himmel verspricht, sich aber einfach nichts tut, ist unerträglich. Verständlich, dass der Groll der Grokoschener gegen das Unternehmen wächst.

Ein Blick in die Lausitz zeigt: Der Senftenberger Ortsteil steht nicht allein da mit einem Problem dieser Art. So ärgern sich auch die Allmosener, dass mitten in ihrem Dorf erst jahrelang ein abgewracktes Haus das Ortsbild verschandelt und seit ein paar Wochen sich der Bauschutt wie nach einem Erdbeben der Stärke 10 stapelt. Auch hier stellt sich der Eigentümer stur. Prominenter ist der Fall aus Cottbus, wo eine riesige Brachfläche mitten im Zentrum das Stadtbild verdirbt. Und auch hier sagt der Investor seit Jahren, das Blechen-Carré erweitern zu wollen – macht es aber nicht.

Den Kommunen sind nach dem Verkauf einer ortsbildprägenden Immobile in ihrer Stadt meist die Hände gebunden, weil die rechtliche Lage vertrackt ist. Es sei denn, sie werden selbst zum Eigentümer. Ein gutes Beispiel liefert der Großräschener Bahnhof, den die Stadt gekauft, so vor dem Ruin gerettet und dann zu einem privaten Fitnesscenter entwickeln lassen hat. Ähnlich erfolgreich ist die Geschichte der ehemaligen Gaststätte Lausitz in Großräschen, die jahrelang leer stand und nach dem Erwerb durch die Kommune nun als Haus der Caritas genutzt wird. Saniert und in Farbe.