Der Fall um Jessy R. beschämt. Gib kleinen Menschen Macht, und sie werden sie missbrauchen. Warum sonst empfiehlt unsere Verwaltung bestens integrierte Arbeiter dem Sozialstaat? Die Macht des kleinen Mannes ist dabei aber nur ein Aspekt. Ein weiterer Punkt sind die Ausländer-Klischees. Alles faule Lügner, die Geld fürs Nichtstun schmarotzen, heißt es oft pauschal. Doch Jessy R. ist fleißig, arbeitet engagiert, sogar ihr Chef verbürgt sich für sie. Doch die Ausländerbehörde in Kamenz wirft ihr Knüppel vor die Füße und verbietet ihr zu Arbeiten. Wegen des Beschäftigungsverbotes steht sie dem Arbeitsmarkt (gegen ihren Willen!) nicht zur Verfügung, lautet die irre Begründung, nach der ihr obendrauf auch noch der Anspruch auf ALG I verwehrt wird. Hallo, geht’s noch? Die Verwaltungsmitarbeiter verstehen nicht, dass das Beibringen einer Geburtsurkunde an Zauberei grenzen würde. Kleinlich pochen sie auf das Dokument. Woher soll Jessy R. das Schriftstück nehmen? Alles ihr Mögliche versuchte sie. Offenbar ging der Eintrag in der Bürgerliste während der liberischen Kriegswirren verschollen. Der Freistaat Sachsen hat offenbar zu viele Steuergelder, und Pflegekräfte scheinen wohl auch nicht gebraucht zu werden.

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Hoyerswerda/Kamenz