Als die DDR vor 30 Jahren zerfiel, wäre es kaum denkbar gewesen, dass sich Menschen freiwillig Geräte kaufen, mit denen sich ihr Privatleben überwachen lässt. Zu frisch war noch die Erinnerung an die Staatssicherheit.
Doch über die Vergangenheit deckt sich oft der Schleier der Nostalgie. Heute stehen Lautsprecher in Wohnzimmern, die Gespräche mithören und an die Hersteller schicken. Saugroboter senden Kamerabilder der Wohnungen an chinesische Server. Im Internet geben Leute Details aus ihrem Leben preis, mit denen sich zuverlässige Persönlichkeitsprofile erstellen lassen.

Zwang ist nicht mehr nötig

Das alles passiert ohne jeden Zwang. Da mutet es fast schon altmodisch an, wenn jemand Bedenken wegen der Kameras auf öffentlichen Plätzen äußert. Und es stimmt ja auch: Sie tragen dazu bei, dass sich die Besucher des Cottbuser Stadthallenvorplatzes wieder sicherer fühlen können. Sie verhindern zwar nicht jede Straftat, wie das Beispiel des Messerangriffs in einer Straßenbahn zeigt. Aber in diesem Fall brachten sie die Polizei zumindest auf die Spur des Tatverdächtigen.
Zugleich verführt Technik zum Missbrauch. Konsumenten wissen nicht, wie sicher ihre Daten bei den Herstellern aufgehoben sind. Ebenso wenig können sie sich darauf verlassen, dass sie nicht insgeheim ausgespäht werden. Wie die „Bild am Sonntag“ im Jahr 2006 berichtete, hatte eine Überwachungskamera des Pergamon-Museums jahrelang ein Wohnzimmer gefilmt. Es gehörte zur benachbarten Wohnung von Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Manchmal braucht es eben nicht mal einen Geheimdienst, um gesundes Misstrauen zu pflegen.