Robert Habeck kann Kanzler, sagt Baden-­Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Wen wundert’s?  Der grüne Oberrealo aus Stuttgart setzt im Bund auf den smarten, 50-jährigen Realo-Freund aus Lübeck.

Überraschend ist der Zeitpunkt, zu dem Kretschmann seiner Partei die Kanzlerfrage auf die Tagesordnung zwingt. Habeck selbst hatte zuletzt  unzählige rhetorische Varianten entwickelt, der Frage aus dem Weg zu gehen. Dass er keine Lust hat, hat er nie gesagt. Aber Rücksicht genommen. Auf die Befindlichkeiten der Partei und seiner Doppelspitzen-Kollegin Annalena Baerbock. Die 38-jährige Brandenburgerin wird selbst als Kandidatin gehandelt.

Schon alleine diese Konstellation spricht aus Sicht der Partei dafür, die Personaldebatte ums Kanzleramt nicht zu früh zu eröffnen. Die Grünen haben noch kein Verfahren für die K-Frage entwickelt. Kretschmann ist nun vorgeprescht. Das ist mit Blick auf Habecks Popularitäts-Höhenflug zu verstehen. Der Partei hilft der Stuttgarter Regierungschef aber nicht, wenn er zu früh einen Gewinner küren will. Und dabei zwangsläufig auch Verlierer schafft. politik@lr-online.de