Vom scheidenden Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker stammt das Bonmot, dass er zwar des Englischen mächtig sei, die Briten aber immer weniger verstehe. Wer wollte ihm da nach all den Brexit-Kabalen widersprechen.

Und noch immer – gut drei Jahre nach dem Brexit-Referendum – hängt alles in der Luft, ist noch immer alles möglich. Hatte es der Ober-Brexiteer Boris Johnson vergangene Woche tatsächlich geschafft, die EU in der umstrittenen Backstop-Frage zu einem gravierenden Zugeständnis zu bewegen, so hakt jetzt wieder der parlamentarische Prozess. Auf ein beschleunigtes Gesetzgebungsverfahren wollte eine Mehrheit der Abgeordneten sich nicht einlassen. Und als reichte das nicht, hat Johnson das Gesetzgebungsverfahren auch noch ausgesetzt, bis die EU über eine erneute Brexit-Verschiebung entschieden hat. Zur Debatte steht eine kurze „technische Verlängerung“, eine längere oder eine „flexible“ Verschiebung. Es wird also weiter gespielt, gedroht und taktiert – mit dem Risiko, dass selbst der ungeregelte Brexit eine Möglichkeit bleibt.

Egal, wie die Sache am Ende ausgeht: Unbeschädigt bleibt keiner. Weder die EU noch das Vereinigte Königreich, das vermutlich sogar um seinen Bestand fürchten muss, wenn Schotten und Nordiren auf Abstand zu London gehen.
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