Deutschland ist mit Corona vernünftig umgegangen. Subtrahieren wir die eigenartigen Demonstrationen der letzten Tage, dann kommt unterm Strich heraus, dass wir von einer Notlage bislang verschont geblieben sind. Soll keiner sagen, dass die Behäbigkeit, die man uns nachsagt, nicht ihr Gutes haben. Dafür lobt uns die Welt, wie jüngst die New York Times, die bewundert, wie ernst die Deutschen die Covid-19-Pandemie genommen hätten. Zum Dank dürfe man nun lockern.
Aber was heißt lockern? Die Antwort muss wohl lauten: Sehen wir es locker. So ist der Verordnungskatalog zu verstehen, den Sachsen gestern eingeführt hat. Der 1,5-Meter-Abstand gilt nicht mehr überall, in Kitas und Grundschulen ist er abgeschafft. Ob das ein Risiko ist, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.
Sachsen versucht den Spagat zwischen Strenge hier und Spielraum da. In der Praxis heißt das: Kinos und Theater dürfen wieder öffnen - aber wie, bleibt offen.
Solche Nicht-Regelungen haben sich im Kampf gegen das Virus bewährt. Niemand soll verhaftet werden, wenn er einen Kilometer zu viel fährt oder mit einer Person zu viel erwischt wird. An dieser Stelle vertrauen die staatlichen Infektionsschützer auf den Instinkt der aller Beteiligten, was geht und was nicht.
Am anderen Ende bedeutet Strenge. Erzieherinnen müssen Buch darüber führen, wer jeden Tag wen in der Einrichtung getroffen hat. Knallhart ist auch die Androhung, dass wieder eingeschränkt werden muss, wenn 50 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner auftreten. So viel Klarheit muss sein.