Der Krieg, der vor 75 Jahren sein Ende fand, hat Spuren hinterlassen in der Lausitzer Identität. Einige wirken noch nach. Die Region sieht sich bis heute als Industrieregion. Wobei Industrie gleichgesetzt wird mit Braunkohle. Das war nicht immer so. Es ist eine Folge des Kriegsendes und der wirtschaftlichen Weichenstellungen danach.
1945 war eine Zäsur für die Lausitz und das, wovon sie lebte. Nazizeit und Krieg beendeten eine Ära der Prosperität. Der entscheidende Strukturbruch für die Region passierte nicht erst 1989. Sondern schon 1945, als die Tuchfabriken und Glashütten in Schutt und Asche fielen. Die Traditionsindustrien, für die die Lausitz europaweit bekannt war, kamen nie wieder zu ihrer früheren Bedeutung. Die Kohle wurde erst später systemrelevant - als einziger Energieträger, der der DDR zur Verfügung stand.

Vor dem Krieg war die Lausitz ein Ort der Innovation

Vor dem Krieg war die Lausitz ein Ort der Innovation, die Investoren und Pioniere aus ganz Deutschland anzog. Danach war sie nur noch Kohleland. Ein großes Rohstofflager, könnte man sagen. Aus dieser Funktion zogen die Lausitzer durchaus Stolz - denn ohne die Kohle von hier wurde von Anklam bis Zittau keine Wohnung warm. Diese Selbstwahrnehmung zieht sich in jede Diskussion über Kohleausstieg und Strukturwandel: Die Kohle gilt vielen noch als das große Ganze - alles andere wird in seiner wirtschaftlichen Bedeutung übersehen.
Wie die Lausitz wieder ein Ort für Innovation und Investment werden kann, ist die Frage für die Zukunft. Mit dem angekündigten Ende der Braunkohleverstromung 2038 stellt sich diese Frage neu. Ein Blick in die Geschichte hilft vielleicht bei der Antwort. Da zeigt sich: Die Lausitz kann mehr als nur Tagebau.