Immer, wenn sich das Jahr dem Ende neigt, schaut man zurück. Was hat 2019 gebracht? Ich gebe zu, ich habe mir mehr versprochen. Abgesehen von den Wahl-Turbulenzen und abseits vom Populismus wäre mir Zählbares lieber. Zählbares für die Zukunft statt neue Supermärkte und Seniorenheime für den Altkreis Weißwasser. Stattdessen gibt es, muss es geben, Brandbriefe an die Landesregierung von Kommunen in Ostsachsen, bei denen man getrost nicht mehr von „Finanzkraft“ sprechen kann.

In fast allen Gemeinden gibt es Streit. Streit ums Geld, darüber, wo gespart werden soll, wie sich am besten aus der Schlinge ziehen? Deutlich ist zu spüren, dass das Geld knapper wird. Wer soll zurückstecken?

An der Wahlurne hat es gerade im Umland von Weißwasser deftige Klatschen für CDU, SPD und Linke gegeben. Fernsehteams von ARD, ZDF, Arte oder der Neuen Züricher Zeitung sind nach Weißwasser gekommen. Warum wählen die hier so? „DDR-sozialisiert“, „Protestwahl“, „Wende-Verlierer“, „Vergessene“ lauten gängige Thesen. Früher haben einige links gewählt, um ihren Unmut auszudrücken. Die Landes- oder gar Bundespolitik hat das nicht geändert.

Nüchtern betrachtet könnte man sagen, dieser „Protest“ hat nichts genutzt, jetzt probiert es rund ein Drittel auf der anderen politischen Seite. Die allerdings profiliert sich zwar noch als „Gegner des Establishments“, obwohl man schon längst dazu gehört. Im Klein-Klein des politischen Alltags wird sich 2020 zeigen, was genau bewegt werden kann. Zumal mir persönlich von dort noch nicht ganz so grandiose Ideen zu Ohren gekommen sind. Wem bringt der „Kampf gegen Minarette im Kreis Görlitz“ etwas, wo es gar keine Absichten gibt, Moscheen zu errichten? Zurück zum Nationalismus, heißt die Devise. Wer nichts mehr hat, auf das er stolz sein kann, hat zumindest noch die Nation, sagen manche. Das war schon nach der französischen Revolution so. Ich hoffe, dass 2020 die Rollen rückwärts nicht allzu weit gehen und die Parteien, die eine Klatsche erhalten haben, Zählbares auf den Weg bringen.