Ist Brandenburg im vergangenen Jahr sicherer geworden – wie Innenminister Stüben behauptet? Seriös lässt sich das anhand der vorgelegten Zahlen der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS) nicht beantworten. Denn die PKS erfasst nur das, was der Polizei auch bekannt ist, das sogenannte Hellfeld. Ein Teil der Straftaten bleibt im Dunklen – und wir können nur raten, wie groß dieser Teil ist.

Klar, in einigen Fällen sind die Zahlen eindeutig. Ein Mord bleibt nicht unbeobachtet, schwere Körperverletzungen auch nicht.

Aber was heißt es, wenn die Drogenstraftaten ansteigen? Das kann daran liegen, dass die Polizei besser kontrolliert – und das tut sie. Es kann aber auch heißen, dass tatsächlich mehr Drogen in Umlauf sind.

Was bedeuten mehr Vergewaltigungen in der PKS? Dass wirklich mehr Frauen vergewaltigt werden? Oder kommt nur das häufiger zum Vorschein, was früher hinter verschlossenen Ehetüren stattfand?

Auf ein weiteres Problem weist Riccardo Nemitz, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, hin. Was ist eigentlich mit den zahlreichen Akten, die mangels Personal immer noch unbearbeitet in den Stuben der Kriminalisten oder der Staatsanwaltschaft liegen? Auch die tauchen, weil nicht abgeschlossen, in der PKS nicht auf.

Wirklich feststellen, ob Brandenburg nun sicherer geworden ist, können wir anhand der PKS also nicht. Feststellen können wir aber, dass die Polizei einen guten Job gemacht hat. Zahlreichen, gerade organisierten Kriminellen, scheint die Lust auf Straftaten in Brandenburg vergangen zu sein. Und das ist ja auch eine gute Erkenntnis.