„Wir Cottbuser können mit Stolz sagen, dass Cottbus eine Fahrradstadt ist.“ Diese Aussage hat Stadtsprecher Jan Gloßmann im Mai getroffen. Was die Zahl der Radfahrer und Fahrten in der Stadt betrifft, mag das stimmen. Cottbus liegt hier über dem deutschlandweiten Durchschnitt.
Das Gefühl bei vielen Radfahrern ist aber ein anderes. Wenngleich sich schon einige Dinge getan haben und die Stadt beispielsweise auch mit der Neugestaltung der Bahnhofskreuzung gezeigt hat, dass sie die Drahtesel im Blick hat, wünschen sich die meisten Radfahrer noch mehr Vorfahrt in Cottbus und noch mehr Struktur. Wege, die bewusst oder gar ausschließlich für die unmotorisierten Verkehrsteilnehmer gestaltet wurden, muss man lange suchen. Im Straßenverkehr fühlen sich Radfahrer auch im Jahr 2020 noch immer nur geduldet – und nur dabei statt mittendrin.

Amsterdam hat mehr Fahrräder als Einwohner

Der Leitstern heißt hier Amsterdam. In der niederländischen Metropole besteht der Verkehr bis zu 40 Prozent aus Radfahrern. Die Radwege sind so groß und breit, dass sie eigentlich eigene Straßennamen verdient hätten. Der „Fahrrad XXL Blog“ behauptet sogar, dass Amsterdam mehr Fahrräder als Einwohner hat. Vielleicht heißt es bald also nicht mehr „Ohne Holland fahren wir zur WM!“, sondern „Wie Holland fahren wir durch die Stadt!“
Es geht bei den ganzen Bemühungen ja auch nicht darum, den Autoverkehr komplett abzuschaffen. Aber Birgit Heine vom ADFC weist zu Recht darauf hin, dass das Verhältnis ungesund ist. „Idealerweise sind Kfz- und Radverkehr auch voneinander getrennt“, sagt sie. „Ich weiß, dass das richtig schwer ist für eine Stadt, die fertig gebaut ist.“ Fakt ist aber: Die Straßen, die wir uns wünschen, sehen anders aus als die Straßen, die wir haben.