Geht das heute überhaupt noch, einen Witz erzählen, ohne dass sich gleich jemand auf den Schlips getreten fühlt? Es ist schon nicht so einfach, wie auch die Schaufensteraushänge im Geschäft von Meyer Immobilien zeigen. Dabei vermag guter Humor doch so einiges: er kann eine angespannte Situation entkrampfen oder einem ernsten Thema an Schwere nehmen. Doch ähnlich wie mit dem Geschmack ist es auch mit dem Humor: nicht jedem gefällt’s.
Mit Satire ist es noch komplizierter: sie deckt gesellschaftliche Widersprüche auf, sie prangert die menschliche Doppelmoral an und tut das in grotesker, überspitzter, sarkastischer, auch einseitiger Form. Sie will provozieren und verspotten. Es ist ihr also eingegeben, dass sie manch einem nicht nur nicht gefällt, sondern geradeheraus Ablehnung hervorruft.

Wie weit darf Satire gehen?

Martin Sonneborn, Vorsitzender der Satirepartei Die Partei, in der auch Jean Meyer Mitglied ist, beansprucht in seinen Äußerungen auch Satire, Spott, Sarkasmus - und erntet dafür nicht nur Beifall, sondern auch schon mal heftige Kritik. In einem Tweet vom 4. April diesen Jahres macht er sich etwa über den Krankenhausaufenthalt Boris Johnsons lustig. Auf eine kritische Äußerung, in der es heißt, „unter dem Deckmantel der Satire könne man wohl alles posten“ legt er dann noch nach: dass es bei Schaffung der Herdenimmunität den Leithammel als erstes erwische, das bisschen Schadenfreude solle man ihm doch lassen. Es gibt Nutzer, die das so sehen, aber einer Mehrzahl geht der Spaß auf Kosten eines gefährdeten Menschenlebens, und sei es das des umstrittenen, britischen Premiers dann doch zu weit. Und Martin Sonneborn erntete einen Shitstorm.

Satire provoziert Reaktionen

Ob die Aushänge von Jean Meyer nun als satirische Darstellungen aufzufassen sind, oder nicht doch in die Kategorie gewöhnungsbedürftiger Internetscherze einzustufen sind, die das Aussehen einer Frau zur schlichten Pointe nehmen, sei einmal dahingestellt. Zwar gibt es „Lisa, 23“ so nicht. Das Bild ist eine Fotomontage, in der einem deutschen Model eine unvorteilhafte Zahnreihe verpasst wurde.
Doch ändert das nichts an dem Ausgangsproblem, dass sich Menschen von solchen Inhalten verletzt fühlen und sie dann als menschen- und frauenverachtend kritisieren. Jean Meyer hat darauf reagiert und die Bilder aus seinem Schaufenster entfernt. Hätte er das machen müssen? Nein. Ist das eine Einschränkung seiner Meinungsfreiheit? Nein, denn keiner habe ihn dazu angewiesen, die Bilder abzunehmen, wie er selbst sagt. Ist es grundsätzlich möglich, die Corona-Beschränkungen satirisch oder kritisch zu hinterfragen? Natürlich.
Eines ist dem Immobilienmakler mit seinen kontroversen Aushängen aber ganz sicher gelungen: er hat für einen Meinungsaustausch gesorgt. Nur ist es nicht ganz der, den er haben wollte. Satire mag verspotten und verhöhnen, doch erfordert auch das ein gewisses Feingefühl.