Wir alle wissen sofort, wer der Geisterfahrer ist, wenn uns bei einer Autobahnfahrt viele Fahrzeuge – meist hektisch licht-hupend – auf der eigenen Spur entgegenkommen.

Ganz so eindeutig ist die Sachlage im Falle des jetzt erneut aufgeflammten Führungsstreits beim Lausitzer Strukturwandel nicht. Vieles spricht für die Idee der Brandenburger, mit einer einfachen, klaren Struktur die Veränderungsprozesse im Revier länderübergreifend zu managen. Eine aufgerüstete Wirtschaftsregion Lausitz als Instrument, das kommunale Belange genauso berücksichtigen kann wie die wirtschaftlich-strategischen Interessen der Landespolitik. Die Lausitz würde als territoriale Einheit im Wandel betrachtet, für deren Zukunft Brandenburg und Sachsen gemeinsam, Schulter an Schulter, arbeiten.

Aber die Sächsische Staatsregierung hat einen anderen Plan. Sie will das Heft des politischen Handels – auch beim Strukturwandel in der Lausitz – lieber selbst ganz fest in der Hand halten, ohne sich ständig rückversichern zu müssen bei den zugegeben politisch andersfarbigen Brandenburgern. Dafür ist das jetzt in Dresden bekanntgewordene Zwei-Säulen-Modell unbestritten ideal. Es schließt eine Zusammenarbeit – wo es passt – nicht aus, erfordert sie aber nicht zwingend.

Der Vorgang ist ein eindrucksvoller Beweis für das unterschiedliche Selbstverständnis der politischen Akteure in Dresden und Potsdam. Die einen wollen sagen, wo’s langgeht, die anderen denken eher ressourcensparend, antiautoritär-kooperativ.

Die Frage danach, wer von beiden in die richtige Richtung fährt, ist inzwischen müßig. Die Sachsen haben mit der Etablierung ihrer eigenen Agentur für Strukturentwicklung Fakten geschaffen, an denen die Brandenburger beim Strukturwandel in der Lausitz nicht mehr vorbeikommen werden. jan.siegel@lr-online.de